Werden die richtigen Leute bei der Polizei ausgebildet?

Wer Polizist/in werden will, muss sich zunächst einem Auswahlverfahren unterziehen. Dies beinhaltet allerlei Tests, physische, aber auch ein Gespräch mit einem Psychologen und Persönlichkeitstests. Nur wer diese Tests besteht, darf eine Ausbildung bei der Polizei machen. Eine Untersuchung der Zeitung De Standaard hat nun ergeben, dass auch Personen, die als nicht geeignet eingestuft worden sind, zugelassen werden. 

"Es handelt sich zum Beispiel um Personen, die noch vor wenigen Jahren mit harten Drogen wie Speed, XTC, Kokain hinterm Steuer erwischt wurden“, erzählt der Standaard-Journalist Matthias Verbergt. "Es geht um Menschen mit schweren Verkehrsverstößen wie Trunkenheit am Steuer oder Fahren ohne Führerschein."

Betroffene des Auswahlverfahrens legten gegenüber der Zeitung anonym Zeugnis ab: "Die lächerlichsten Dossiers müssen durchgewunken werden, insbesondere wenn sich das Datum nähert, an dem die neuen Ausbildungen beginnen."

Weiter heißt es: "Wen müssen wir alles bestehen lassen? Zu diesen Kandidaten stellen wir uns Fragen: Was, wenn die patrouillieren sollen?"

"Es kann doch nicht das Ziel der zuständigen Minister oder Spitzenfunktionäre bei der Polizei sein, diese Leute einfach so ins Korps zu lassen", reagiert Verbergt. Doch die Quellen, mit denen er gesprochen habe, würden betonen, dass das eine direkte Folge des hohen Drucks sei, der auf dem Auswahlverfahren lastete, damit so viele Menschen wie möglich die Tests bestehen."

Die ehemalige Polizeikommissarin und SP-A Listenführerin in Antwerpen, Jinnih Beels, überrascht das kaum. "Es ist ein Problem, das sich schon seit Jahrzehnten stellt, als ich noch als Abteilungsleiterin bei der örtlichen Polizei in Antwerpen arbeitete. Damals haben wir mit anderen Polizisten darauf hingewiesen, dass das gesamte Verfahren gründlich überdacht werden muss und dass wir uns eingestehen müssen, dass das Verfahren den Bedürfnissen von heute nicht mehr gerecht wird“, so Beels.

Innenminister Jan Jambon hat eine Untersuchung angeordnet. Er sagt, die Geschichten seien so „derb“, dass er sie gar nicht glauben könne. Er weist auch entschieden zurück, dass die Politik Druck mache, die Anforderungen bei den Auswahlverfahren derart niedrig zu halten.

Die Polizei selbst will jetzt ebenfalls Ermittlungen durchführen.