Wieder mehr Asylanträge in Belgien, aber warum?

Die Zahl der Asylanträge in Belgien ist auch im Monat August weiter angestiegen. Das geht aus jüngsten Zahlen des Ausländeramtes hervor. Im August gingen dort knapp 2.400 Asylanträge ein. Die Zahl ist auf dem höchsten Stand seit Januar 2016. (Damals lag die Zahl der Gesuche bei knapp über 2.800.) Doch warum hat die Zahl zungenommen und was bedeutet das für die Aufnahmelager hierzulande?

Die Mehrzahl der Asylbewerber vom August kommt aus Syrien, dem Irak und Palästina. Insbesondere die Zahl der Palästinenser ist stärker angestiegen als im Monat davor. Doch auch Russen und Iraker stellen zunehmend Asylanträge. Die Zahl der Gesuche von Leuten aus Afghanistan, Guinea und der Türkei sind weiterhin hoch, aber stabil, heißt es beim Ausländeramt.

Genau 2.368 Gesuche wurden insgesamt im August 2018 in Belgien gestellt. Im gleichen Monat des letzten Jahres waren es 1.790. Diese Zunahme sei erstaunlich, denn die Zuströme der Migranten in Europa seien weiterhin im Vergleich zum Höchststand während der Migrationskrise niedrig, schreibt die Zeitung Le Soir. So seien nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen im Monat August nur insgesamt 11.712 Migranten nach Europa gekommen. Das ist etwa 130 Mal weniger als während des gleichen Monats im Jahr 2015.

Gleichzeitig behält Belgien seinen Ruf als Transitland. So verstecken sich immer wieder Migranten in den Wäldern, in der Hoffnung, dass sie schon bald einen Lkw auf einem nahe gelegenen Autobahnparkplatz erwischen, um weiter nach England zu reisen.

Aufnahmelager unter Druck

Der Anstieg der Asylanträge setzt die Aufnahmelager in Belgien unter Druck. Aufnahmezentren, die bereits im Begriff gewesen waren, zu schließen, hätten kurzfristig wieder Plätze zur Verfügung stellen müssen. Derzeit liegt der Auslastungsgrad für die Sammelunterkünfte des Ausländeramtes und des  Roten Kreuzes bei 93 Prozent. Diese Sammellager sind erste Anlaufstelle für alle, die einen Antrag einreichen. Und derzeit kämen mehr Antragsteller an, als diejenigen, die das Lager verließen, heißt es in Le Soir. Viel Marge gibt es aber nicht mehr. Die noch freien Plätze seien nämlich für ein spezifisches Publikum reserviert, zum Beispiel behinderte Personen und Familien.

Obwohl Administration und Kabinett des Staatssekretärs vor einigen Wochen über eine mögliche Wiedereröffnung individueller Unterkünfte gesprochen hätten, sei bis dato noch nichts festgeschrieben worden, unterstreicht das Ausländeramt in diesem Zusammenhang in Le Soir.

Warum steigen die Zahlen überhaupt?

Warum deutlich mehr Menschen einen Antrag auf Bleiberecht in Belgien stellen, ist nicht wirklich klar. Rund 200 Personen unter den knapp 2.400 Asylanträgen kamen im Rahmen des Umverteilungsprogramms nach Belgien. Das waren zum Beispiel Syrer, die bereits in anderen Ländern wie im Libanon oder in der Türkei registriert waren.

Doch das erklärt nicht alles. Le Soir schreibt, dass sich das Profil der Asylantragsteller geändert habe, denn unter den Antragstellern sei die Zahl der Russen und Iraker größer geworden. Haben sich da neue Flüchtlingsrouten ergeben, fragt sich Le Soir? Hat sich die Situation in diesen Ländern verschlechtert? Offizielle Stellen wie das Generalkommissariat für Flüchtlinge und Staatenlose hätten sich nicht dazu äußern wollen.

Doch der Staatssekretär für Asyl und Migration Theo Francken (N-VA) spricht in diesem Zusammenhang von einem doppelten Problem, das Europa habe: Einen mangelhaften Schutz der Außengrenzen und das Dublin-Abkommen.

So beklagt Francken vor allem die Migrationspolitik der anderen EU-Mitgliedstaaten. Er kritisiert Spanien, das teilweise Boote, die Italien zurückweist, aufnehme. Die Küsten seien seit der neuen italienischen Regierung systematisch für Migranten, die über das Mittelmeer kämen, geschlossen. Man müsse auch wissen, dass die Grenzen auf der Route Spanien -  Belgien weniger kontrolliert würden als die auf der Route Italien - Belgien.

Ferner verweist Francken auf das Dublin-Abkommen, das an seine Grenzen stoße. So erhalte Belgien viel zu viele Anträge von Personen, die bereits Asyl in ihrem europäischen Ankunftsland beantragt hätten. Belgien versuche, diese Personen so schnell wie möglich abzulehnen und sie in das Ankunftsland zurückzuschicken, aber dafür bedürfe es der Kooperation dieses Landes, so Francken noch.