Innenminister Jambon geht auf Rekrutierungsprobleme bei der Polizei ein

Belgiens Innenminister Jan Jambon (N-VA - Foto) gibt zu, dass es in der Vergangenheit Probleme bei der Rekrutierung neuer Polizeibeamten gegeben hat. Man könne durchaus vielleicht hier einiges optimieren, so der Minister am Montagmorgen gegenüber VRT NSW. Die Polizei selbst nennt die Vorwürfe, die die flämische Tageszeitung De Standaard am Samstag erhoben hatte, allerdings unrichtig und unvollständig.

Am Samstag schrieb De Standaard über einige Fehler bei der Anwerbung von neuen Polizisten. Offenbar waren einige „eher ungeeignete“ Kandidaten in die engere Wahl gezogen worden, wie das Blatt aus anonymen Quellen erfahren konnte (siehe nebenstehenden Beitrag).

Den Vorwurf, die Polizei habe bei der Rekrutierung von neuen Beamten unter dem Druck von Zielvorgaben gestanden, ließ Innenminister Jambon schon in einer Reaktion am Samstag nicht gelten. Er gab aber der Bundespolizei den Auftrag, die in De Standaard genannten Fallbeispiele zu untersuchen, bzw. Ermittlungen in dieser Hinsicht aufzunehmen.

Am Montagmorgen gab Jambon gegenüber VRT NWS zu verstehen, dass an einem Auswahlverfahren für die Anwerbung von Polizeibeamten mehrere Instanzen in mehreren Schritten beteiligt seien: „Es kann sein, dass ein Ausschuss angibt, dass Bedenken vorliegen. Doch es ist letztendlich die finale Beurteilungs-Kommission, bei der alles zusammenläuft und die kann sagen, dass man mit einem bestimmten Kandidaten in Anbetracht von Bedenken doch weitermachen kann.“

„Ist es denn so, dass jemand, der in seiner Jugend eine Dummheit begangen hat, später kein guter Polizist werden kann?“ 

Bundesinnenminister Jan Jambon (N-VA)

„Ist es denn so, dass jemand, der in seiner Jugend eine Dummheit begangen hat, später kein guter Polizist werden kann? (…) Wenn man als Pubertierender einmal mit XTC erwischt worden ist, muss das bedeuten, dass man keine Chance mehr hat, zur Polizei zu gehen? Was ich damit sagen will ist, dass in solchen Fällen ein Warnlicht aufleuchten soll. Wir sollten das mal analysieren. Ein Kandidat kann zur Einsicht gekommen sein und wenn sich dies im Laufe der Moralanalyse so erweist, warum soll der dann keine zweite Chance haben dürfen“, so Jambon.

„Wir rekrutieren jedes Jahr 1.400 neue Polizisten. In der Zeitung sprach man von 6 Problemfällen in den vergangenen Jahren." 

Bundesinnenminister Jan Jambon (N-VA)

„Wir rekrutieren jedes Jahr 1.400 neue Polizisten. In der Zeitung sprach man von 6 Problemfällen in den vergangenen Jahren (Ex-Drogenkriminelle oder auch Kandidaten mit dubiosen Verwandten mit kriminellen oder terroristischem Hintergrund (A.d.R.)). Wir rekrutieren also sehr viel. Das darf aber niemals geschehen, in dem man die Messlatte in der Zulassung nach unten legt, im Gegenteil. Das ist ausgeschlossen.“, so der Innenminister weiter. Allerdings könnte man einige Bereiche im Rekrutierungsverfahren korrigieren, z.B. die Länge der Prozedur. Eine Reorganisation des Verfahrens sei längst im Gange. 

„Die Latte wurde niemals tiefer gelegt.“

Polizeisprecher Jonathan Pfund

Bei der belgischen Bundespolizei gibt man zu dem Thema an, dass nach interner Untersuchung kein einziger Bewerber an seiner Ausbildung zum Polizisten  beginnen durften, der als ungeeignet erklärt wurde, wie Polizeisprecher Jonathan Pfund am Montag dazu sagte: „Der Beurteilungsausschuss, der einzige Ausschuss, die dazu befugt ist, hat alle zugelassenen Kandidaten als geeignet befunden. Dabei war auch die Moralanalyse wichtig und es ist nie so gewesen, dass die Latte tiefer gelegt wurde.“

Allerdings musste auch Pfund zugeben, dass einige der Kandidaten in den Datenbanken der Polizei aufgetaucht sind, wenn auch nur wegen wenig schwerwiegender Delikte, wie Drogenmissbrauch oder Verkehrsvergehen. Überdies werden Bewerber mit Verurteilungen nach schweren Verbrechen automatisch abgelehnt, so der Polizeisprecher gegenüber VRT NWS.