Pflegenotstand in Flandern - Können hier gezielt Einwanderer Abhilfe schaffen?

Im belgischen Bundesland Flandern herrscht weiterhin ein eklatanter Mangel an Pflegepersonal vor und dies in allen Bereichen. Noch im Juli bot fas flämische Arbeitsamt VDAB rund 1.300 offene Stellen in diesem Bereich an. Inzwischen plädieren Vertreter des Pflegesektors in Flandern für eine in dieser Hinsicht gezielte Einwanderung, um den permanenten Personalengpass auf Dauer zu beenden.

Die rund 1.000 offenen Stellen im Pflegebereich datieren aus einer Zeit, in der der Pflegenachwuchs aus den entsprechenden Ausbildungen schon den Weg in den Arbeitsmarkt gefunden hatte, denn im Juni melden sich viele gerade frisch diplomierte Pflegefachkräfte in den lokalen Arbeitsämtern an, wenn sie nicht schon bereits im Vorfeld von den entsprechenden Einrichtungen quasi von der Schulbank weg angeworben wurden.

„Der Mangel an Pflegefachkräften wurde damit sehr deutlich“, sagte Flanderns Pflegebotschafter Lon Holtzer dazu. Holtzer stellt einmal mehr fest, dass die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage in diesem Sektor deutlicher denn je klafft: „Viele Pflegefachkräfte, die derzeit noch im Job sind, werden älter und gehen bald in Rente. Dies ist ein Arbeitsmarktbereich, in dem viele über 55-Jährige beschäftigt sind und wir haben einen Arbeitsmarkt, der in dieser Hinsicht sehr schnell wächst. Es ist also logisch, dass so viele Stellen frei sind.“

„Ich gehe davon aus, dass wir in absehbarer Zeit 3.000 zusätzliche Pflegekräfte pro Jahr brauchen.“

Flanderns Pflegebotschafter Lon Holtzer

Doch all diese freien Stellen können derzeit nicht besetzt werden. Die Zahl der Bewerber ist zu klein, während der Bedarf immer größer wird. Gerade die Tatsache, dass jetzt auch langsam der Nachwuchs der Babyboomer in Rente geht, sorgt für einen erhöhten Bedarf im Bereich Alten- und Krankenpflege.

„Ich gehe davon aus, dass wir in absehbarer Zeit 3.000 zusätzliche Pflegekräfte pro Jahr brauchen.“, so Pflegebotschafter Holtzer. Hinzu kommt noch, dass die Umschulungskurse für Arbeitsuchende des VDAB für den Pflegebereich Jahr für Jahr weniger Interessenten anzieht.

Laut Lon Holtzer liegt dies nicht zuletzt am sich deutlich bemerkbaren Wirtschaftsaufschwung in Belgien, bzw. in Flandern: „Der Arbeitsmarkt wird immer leerer und die Zahl der Arbeitslosen sinkt weiter. Wir beobachten in den letzte Jahren einen Rückgang von 41 % bei denen, die über einen VDAB-Arbeitsvertrag eine Pflege-Umschulung beginnen.“ 

„Wir müssen über eine ethisch vertretbare Art und Weise der Einwanderung nachdenken.“

Flanderns Pflegebotschafter Lon Holtzer

Doch wo liegt die Lösung für diese enorme Herausforderung, vor der selbst so wohlhabende Länder und Regionen, wie Flandern in dieser Hinsicht stehen? Sollte man nicht verstärkt Pflegekräfte aus dem europäischen Ausland anwerben, bzw. aus den Nachbarländern? „Das scheint mir problematisch“, so Holtzer, der weiter angibt: „In den uns umgebenden Ländern kämpft man mit den gleichen Problemen und damit ist es ethisch nicht wirklich vertretbar, dort Mitarbeiter anzuwerben.“

„Doch es gibt noch Regionen, in denen es schon einen Überschuss an Pflegekräften gibt, z.B. in Australien, auf den Philippinen oder in Kanada. Wir müssen also über eine ethisch vertretbare Art und Weise der Einwanderung nachdenken.“, so der Pflegebotschafter Flanderns.