Börsengang von Belfius vorerst eingefroren

Der geplante Börsengang der in Staatshand befindlichen Belfius-Bank wird vorerst auf Eis gelegt. Durch einen Börsengang der Bank könnte viel Geld in Belgiens Staatskasse fließen. Doch bevor die Bank an die Börse geht, muss es zu einer Einigung im Arco-Dossier kommen. Das sagt auch die Rechtsberatungsfirma Deminor.

Die Entscheidung sei angesichts der Marktlage und der Tatsache, dass noch keine Lösung beim Arco-Dossier gefunden sei, verständlich, betont Erik Bomans von Deminor. "Ein Börsengang ohne Lösung für das Problem Arco ist nicht ratsam", so Bomans noch. Die Kanzlei klagt nämlich im Namen von 2.400 Personen gegen Arco, Belfius, den Staat und die ehemalige Arco-Spitzenmanagerin und aktuelle Insolvenzverwalterin Francine Swiggers. Der Fall wurde für das Arcopar Actieteam gestartet. Die Beratungsfirma fordert schon seit langem Schadensersatzzahlungen, um die geschädigten Anteilseigner zu vergüten.

Eigentlich fordern sogar zwei Interessenvertretungen „Geld terug van Arco“ und „Arcoparia“, eine Vergütung. Hinter den beiden Organisationen scharen sich mehr als 4.700 aktive Kläger und Mitstreiter. Einige unter ihnen befürchten nun, dass der Aufschub des Börsengangs und damit der Aufschub der Vergütung eine Aufhebung der Auszahlungen für die Arco-Anleger bedeutet. Kein Börsengang bedeutet kein Geld für sie.

Jetzt sei jedoch nicht der Zeitpunkt für eine Teilprivatisierung des Geldhauses, ist der belgische Premier Charles Michel überzeugt.  Während seiner Amtszeit, die noch bis etwa Ende Mai 2019 dauert, werde Belfius nicht an die Börse gebracht, ließ er am Montagnachmittag wissen.

Experten hatten damit gerechnet, dass Belgien durch einen Verkauf von 30 Prozent der Belfius-Anteile etwa 2,1 Milliarden Euro zum teilweisen Abbau der Staatsverschuldung einnehmen könnte.

Im Sommerabkommen war vereinbart worden, dass Belfius an die Börse gebracht werde und dass ein Topf von 600 Millionen Euro für die Arco-Geschädigten eingesammelt werden solle. Doch noch wichtiger: Es wurde vereinbart, den Arco-Deal nicht bei Europa anzumelden. Das hat die Ohren in Europa spitzen lassen und klar ist nun: Diese Regelung würde in Europa nicht durchgehen.

Man hätte also Belfius und Arco (das solange eingefroren werden muss, bis es grünes Licht  aus Europa gibt) voneinander abkoppeln müssen.

Momentan sind zudem die Kurse für Bankwerte an der Börse nicht sehr vorteilhaft, man denke nur an den Fall der türkischen Lira und den Handelsstreit zwischen den VS und China. In wenigen Monaten war Belfius 1 Milliarde Euro weniger wert.

Die Belfius-Spitze wollte Ende Oktober an die Börse gehen, doch daraus wird also vorerst nichts. 

Hintergrund:

Die Belfius Bank ist aus der 2011 zerschlagenen Dexia-Gruppe hervorgegangen. Damals übernahm der belgische Staat einen Teil des französisch-belgischen Konzerns.

Knapp 800.000 ehemalige Arco-Anleger warten nach dem Fall von Dexia und dem Großaktionär Arco schon seit Jahren auf die Rückzahlung ihrer Einlagen. Arco ist der ehemalige Finanzflügel der Christlichen Arbeiter-Bewegung ACW (heute Beweging.net).