CD&V setzt in Antwerpen die Mutter eines Syrienkämpfers auf die Wahlliste

Vor einigen Jahren ist der Sohn von Fatima Ezzarhouni (Foto) aus Antwerpen nach Syrien gezogen, um sich dort der islamistischen Terrororganisation IS anzuschließen. Offenbar ist der junge Mann in Syrien ums Leben gekommen. Seine Mutter zieht es jetzt in die Politik, genauer in die Kommunalpolitik von Antwerpen. Ezzarhouni will mit ihren eigenen Erfahrungen etwas gegen die Radikalisierung von Jugendlichen in ihrer Stadt unternehmen und setzt dabei auf die Lokalpolitik.

Fatima Ezzarhounis Sohn ist vor fünf Jahren nach Syrien abgehauen, um dort für die Errichtung eines islamistischen Staates zu kämpfen. Seit drei Jahren hat Ezzarhouni keinen Kontakt mehr zu ihrem Sohn. Vor einigen Wochen erfuhr sie, dass er wohl ums Leben gekommen ist, aber auch, dass sie ein Enkelkind hat, das noch bei seiner Mutter in Idlib in Syrien ist.

Gegenüber dem VRT-Regionalsender Radio 2/Antwerpen sagte sie, dass sie ihr Enkelkind gerne sehen würde und dass sie hofft, dieses Kind nach Antwerpen holen zu können. Doch dies ist nicht der Grund, dass die in die Politik geht, auch wenn dies mittelbar damit zu tun hat. 

„Ich bin nicht nur wegen meiner eigenen Geschichte in die Politik gegangen.“

Fatima Ezzarhouni, CD&V-Kandidatin in Antwerpen

Ihr Ansinnen ist, auf Basis ihrer eigenen Erfahrung etwas in Sachen Prävention zu unternehmen, um junge Leute aus ihrer Stadt daran hindern zu können, es so zu tun, wie ihr eigener Sohn.

Fatima Ezzarhouni sagte gegenüber Radio 2: „Ich bin nicht nur wegen meiner eigenen Geschichte in die Politik gegangen, auch wenn dies der wichtigste Punkt ist. Ich kann über die Partei (die flämischen Christdemokraten CD&V (A.d.R.)) Kampagnen zur Prävention führen und das ist sehr wichtig.“ 

„Wie wohl jede Großmutter will auch ich mein Enkelkind sehen. Die Kinder haben sich nicht ausgesucht, dorthin zu gehen.“

Fatima Ezzarhouni, CD&V-Kandidatin in Antwerpen

Derzeit wird viel über Versuche berichtet, Kinder von Syrienkämpfern aus Belgien ins Land zu holen, auch wenn Teile von Politik und Justiz dies verhindern zu versuchen, doch gerade dies ist für Ezzarhouni ein Ansatz, Politik zu betreiben:

„Ich habe selbst ein Enkelkind, das ich noch nie gesehen habe. Das letzten, was ich darüber hörte, ist, dass Mutter und Kind in Idlib sein sollen. Wie wohl jede Großmutter will auch ich mein Enkelkind sehen. Die Kinder haben sich nicht ausgesucht, dorthin zu gehen. Ich vertraue auf Minister Geens (Bundesjustizminister Koen Geens (CD&V) (A.d.R.)), dass er eine menschliche Lösung finden kann.“

Erst gerade haben einige Frauen aus Belgien, die sich Syrien- und IS-Kämpfern angeschlossen haben, auch in Berufung das Recht verloren, zumindest ihre in Syrien oder im Irak geborenen Kinder in ihre belgische Heimat bringen zu lassen, verloren. 

„Jeder ist in dieser Partei willkommen. Es geht hier um das Zusammenleben.“

Fatima Ezzarhouni, CD&V-Kandidatin in Antwerpen

Fatima Ezzarhouni ist eine der vielen Kandidaten mit nicht-belgischen Wurzeln oder aus Ehen zwischen Belgiern und Ausländern. Trotz ihres islamischen Glaubens zieht es sie in die christlich-katholische CD&V: „Jeder ist in dieser Partei willkommen. Es geht hier um das Zusammenleben, um die Gesellschaft. Ich fühle mich in dieser Partei gut.“ Ezzarhouni steht auf der Antwerpener Gemeinderatsliste der flämischen Christdemokraten auf Platz 50 und auf Platz 8 der Antwerpener Distriktliste.