(c) TommL

Anderssprachige in den Arbeitsmarkt integrieren: Kanada und Schweden inspirieren sich in Flandern

Es ist wohl eines der größten Herausforderungen, wenn es um die Integration von Einwanderern in den Arbeitsmarkt geht: Wie geht man damit um, dass die Einwanderer eine andere Sprache sprechen, als die Amtssprache ihrer neuen Heimat? In Flandern müssen Einwanderer, die sich beim Landesarbeitsamt VDAB melden, nicht länger zuerst Niederländisch lernen. Sie werden auch ohne Sprachenkenntnis vermittelt. „Learning by doing“ ist das Motte. Entsprechende Erfolge haben das Ausland neugierig gemacht.

Im Zuge der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 kamen viele Syrier, Afghanen oder Iraker auch ins belgische Bundesland Flandern und das Landesarbeitsamt wollte diese so schnell wie möglich in den Arbeitsmarkt integrieren.

Dabei wurde in Pilotprojekten ausgetestet, ob dies auch ohne mit der Investierung in die Zeit zum Niederländisch erlernen, funktionieren kann.

So wurden und werden Flüchtlingen Ausbildungen und Praktika vermittelt, ohne dass sie Niederländisch-Kenntnisse vorweisen konnten und können. Und siehe da, sie lernten die Sprache ihrer neuen Heimat am Arbeitsplatz oft noch schneller, als andere Bewerber in einfachen Sprachkursen.

„Früher musste man zuerst Niederländisch lernen und dann konnte man im Job ausgebildet werden. Jetzt machen wir das gleichzeitig und dass sorgt dafür, dass es schneller geht.“

Flanderns Landesarbeitsminister Philippe Muyters (N-VA)

Diese Herangehensweise erwies sich als erfolgreich. In solche Pilotprojekte wurden rund 73.000 anderssprachige Einwanderer eingeschrieben und fast die Hälfte von ihnen, etwa 45 %, hatte innerhalb von nur zwei Jahren eine Arbeitsstelle. Das ist ein deutlich besseres Resultat, als z.B. in Deutschlans (27 %) oder in Schweden (19 %). Flanderns Arbeitsminister Philippe Muyters (N-VA) will dieses System jetzt auf alle anderssprachigen Arbeitsuchenden ausweiten, auch auf jene, die schon lange hier leben und noch keinen Job gefunden haben. 

Hochausgebildete Einwanderer finden Jobs auf ihrem Niveau

Nebenbei brachte das flämische Arbeitsamt auch ein spezifisches Projekt auf den Weg, über das hochausgebildeten Fachkräften mit Migrationshintergrund, die hierher geflüchtet sind, einen geeigneten Job vermittelt werden kann. Dabei arbeitet das VDAB mit Partnern aus Wirtschaft und Industrie zusammen. Hier erwies sich, dass Firmen, die unter akutem Fachkräftemangel leiden, die Diplome, die die Bewerber vorlegen, akzeptieren und ihnen damit ihr Vertrauen aussprechen. 

Auch hier erfolgreiche Modellprojekte

Auch hier war Ziel, diesen Arbeitsuchenden schnell einen Job zu vermitteln und auch sind die Erfolge deutlich. In diesem konkreten Bereich fanden 42 % der Bewerber auch ohne spezifische Sprachenkenntnisse, bis auf vielleicht ein wenig Englisch, nach schon einem Jahr einen Arbeitsplatz, der auch ihren Ansprüchen gerecht wird.

Diese flämische Herangehensweise an die Integrierung von Einwanderern und Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt hat inzwischen auch das Ausland neugierig gemacht. Bald werden Delegationen aus Kanada und aus Schweden nach Flandern kommen, um dieses Modell in Augenschein zu nehmen. 

©WavebreakMediaMicro - stock.adobe.com