(c) dpa-Zentralbild

Afrikanische Schweinepest bei Wildschweinen beunruhigt die Landwirtschaft

Bei zwei Wildschweinen in der südbelgischen Provinz Luxemburg ist die Afrikanische Schweinepest (ASP) entdeckt worden. Diese Entdeckung beunruhigt die hiesige Schweinezucht, denn dies ansteckende Seuche kann auch auf Hausschweine übertragen werden. Die belgische Lebensmittelagentur VAVV und der Belgische Bauernbund sind alarmiert. Und auch in den Nachbarländern wird darauf reagiert.

In Osteuropa grassiert die Afrikanische Schweinepest schon eine Zeit länger. In Polen, Tschechien, Rumänien, der Ukraine und in den drei baltischen Staaten sind seit Jahresanfang mehrere Wild- und Hausschweine an der Afrikanischen Schweinepest verendet, wie Spiegel Online meldet.

Dieses erste Aufkommen in Belgien, also in Westeuropa, beunruhigt die Behörden nicht nur in Belgien, sondern auch in den Nachbarländern Frankreich und Deutschland. Die Seuche wurde bei zwei toten Wildschweinen entdeckt, die in der Gemeinde Etalle bei Arlon in der Provinz Luxemburg aufgefunden wurde. Für Menschen und andere Tierarten ist die Afrikanische Schweinepest nicht gefährlich, doch bei Schweinen und Wildschweinen ist sie tödlich.

„Das Risiko, dass eine Infizierung früher oder später passieren wird, ist real.“

Philippe Houdart, FAVV

Noch sind keine Zuchtschweine in der Landwirtschaft infiziert, doch die Sorge geht um, wie Philippe Houdart von der Bundesagentur für Lebensmittelsicherheit (FAVV) gegenüber VRT NWS angab: „Das Risiko, dass das früher oder später passieren wird, ist real.“ Seit 1985 ist die Afrikanische Schweinepest nicht mehr in Belgien vorgekommen.

Wo kommt die Seuche jetzt her?

Höchstwahrscheinlich aus Osteuropa, wie Guy Vandepoel vom Belgischen Bauernbund erklärt: „Wir befürchteten schon seit einiger Zeit, dass die Afrikanische Schweinepest früher oder später aus Osteuropa herüberkommen würde. Aber wir sind doch überrascht von der Geschwindigkeit, mit der dieses Virus in Belgien aufgetaucht ist.“

„Wir sind doch überrascht von der Geschwindigkeit, mit der dieses Virus in Belgien aufgetaucht ist.“

Guy Vandepoel, Belgischer Bauernbund

Vandepoel vermutet, dass die beiden toten Wildschweine aus Etalle Reste von verseuchtem Futter oder verseuchte Abfälle aus Osteuropa gefressen haben könnten. Er will aber genauere Untersuchungen abwarten, um Schlussfolgerungen ziehen zu können. Doch zwei Faktoren sorgen dafür, dass das Risiko auch in unseren Breitengraden höher geworden ist.

Einerseits ist die Population bei den Wildschweinen in den vergangenen Jahren sprunghaft angestiegen, wie auch regelmäßige Berichte in den Medien im In- und Ausland belegen. Zum anderen ist aber auch der Handel zwischen z.B. Belgien und osteuropäischen Ländern stark angestiegen, mit entsprechend steigendem Frachtverkehr und vielen osteuropäischen LKW auf unseren Straßen.

Krisensitzung und Maßnahmen

Schon die Meldungen von zwei an Afrikanischer Schweinepest verendeten Windschweinen sorgt in der hiesigen Schweinezucht derart für Unruhe, dass eine Krisensitzung mit allen damit zu tun habenden Bereichen anberaumt wurde. Die entsprechenden Instanzen (Länder und Regionen, Jagd- und Agrarverbände, Fleisch- und Transportsektor, Lebensmittelbehörden, Groß- und Einzelhandel) müssen koordiniert werden, um die Sache unter Kontrolle zu halten.

„Der Handel wartet nicht auf Maßnahmen. Niemand geht auf Risiken ein.“

Neel Gorssen, Schweinezüchter in der Provinz Limburg

Beim Fleischsektor und in der Schweinezucht machen sich indessen große Sorgen breit. Neel Gorssen, ein Schweinezüchter aus Kaulille in der Provinz Limburg, warnte am Freitagmorgen gegenüber VRT NWS vor unmittelbar zu spürenden Folgen: „Der Handel wartet nicht auf Maßnahmen. Niemand geht auf Risiken ein. Sowohl in Deutschland, als auch in den Niederlanden werden sie ab heute kein Schweinefleisch mehr aus Belgien abnehmen.“

Die Schweinezüchter sind dazu aufgerufen, alles daranzusetzen, dass sich die Afrikanische Schweinepest nicht auf Zuchttiere überträgt. Zu allererst müssen Möglichkeiten zur Desinfektion ergriffen werden und es muss ab sofort absolut jeglicher Kontakt zwischen Windschweinen und Zuchtschweinen vermieden werden.

Jäger und Spaziergänger wiederum müssen alle möglichen Funde von toten Wildschweinen den Behörden umgehend melden. Dabei sollte der Kontakt mit den Kadavern vermieden werden. Frankreich und Belgien werden wohl entsprechende Aktionen für die Grenzregionen in Angriff nehmen.