Weiter akuter Mangel an Hausärzten auf ländlicher Ebene in Flandern

In 195 Gemeinden im belgischen Bundesland Flandern herrscht ein akuter Mangel an Hausärzten, wie die Landesagentur für Pflege und Gesundheit meldet. Noch im vergangenen Jahr litten 199 Kommunen unter diesem Problem. Zum ersten Mal seit Jahren ist diese Zahl im laufenden Jahr (noch) nicht angestiegen.

Wenn man bedenkt, dass es in Flandern 308 Gemeinden gibt (nach dem Greifen von einigen Fusionen ab dem 1. Januar 2019 300 Gemeinden), dann ist eine Zahl von fast 200 Kommunen ohne oder mit nur unzureichender gesundheitlicher Versorgung durch Hausärzte doch landesweit dramatisch.

In sogenannten „prioritären Gemeinden“ werden derzeit weniger als 90 Hausärzte pro 100.000 Einwohner gezählt und in dünnbevölkerten Gegenden weniger als 125 pro 100.000 Einwohner. „Das die Zahl der hausarztarmen Gemeinden abnimmt, ist ermutigend. Wir beobachten auch Jahr für Jahr mehr Studierende mit dem Ziel Hausärzte zu werden.“, so Landesgesundheitsminister Jo Vandeurzen (CD&V).

Doch in den Augen der flämischen Landesagentur für Pflege und Gesundheit sind die Zahlen weit davon entfernt, ideal zu sein. Das eigentliche Problem ist wohl die „Vergreisung“ in diesem Bereich. Viele Hausärzte in ländlichen oder dörflichen Gegenden sind über 50 Jahre alt und ziehen sich bald zurück. 

Viele ältere Hausärzte hören bald auf

Die Zahl der Hausärzte, die am Ende ihrer beruflichen Laufbahn angekommen ist, ist derzeit in Flandern höher als die Zahl der entsprechenden Berufseinsteiger. Um die Lage zu verbessern, bietet die flämische Landesregierung angehenden Hausärzten Prämien über 20.000 €, wenn sie sich außerhalb der großen und größeren Städte niederlassen.

Zudem werden zinslose Kredite in Betracht gezogen, damit neue Hausärzte in ländlichen Gegenden die Praxen, die sie vielleicht übernehmen, modernisieren können oder damit sie neue Praxen einrichten können.

Offenbar reicht das nicht aus und aus dem Gesundheitsministerium verlautete, dass diese Prämien, bzw. die dazu abrufbaren Mittel noch im laufenden Jahr erhöht werden. Im Ministerium will man jetzt die Lage in besonders betroffenen Regionen vor Ort analysieren, um den tatsächlichen Bedarf einkreisen zu können, damit passend reagiert werden kann.