Woche der Mobilität: Mehr Staus in Antwerpen als in Brüssel

Mit der Woche der Mobilität drängt sich auch wieder die Frage in den Vordergrund, wie die täglichen Stauprobleme in den Städten und städtischen Randgebieten gelöst werden können. An Zahlen des flämischen Verkehrszentrums war bereits im vergangenen Jahr abzulesen, dass das Ausmaß der Staus auf den Autobahnen nie größer war. Insbesondere das Autobahnnetz rund um Antwerpen ist überlastet. Inzwischen ist das Verkehrsaufkommen in der Hafenstadt größer als in Brüssel.

Für die Zunahme des Verkehrs in und um Antwerpen sieht der VRT-Verkehrsexperte Hajo Beeckman mehrere Gründe: „Die Antwerpener Wirtschaft dreht sich um Industrie-, Hafen- und Logistikaktivitäten, deren Unternehmen vom Straßentransport abhängig sind. Wogegen die Wirtschaft in der Brüsseler Hauptstadtregion insbesondere auf Dienstleistungen fokussiert ist.“

Vor ein paar Jahren wurde ein Großteil des Containerverkehrs vom rechten Ufer an das linke Ufer verlegt. Diese Änderung hat zu einer enormen Zunahme des Lkw- und Pkw-Verkehrs, u. a. auf dem nördlichen Autobahnring, geführt.

Internationaler Transitverkehr

Antwerpen muss darüber hinaus nicht nur den belgischen, sondern auch den internationalen Transitverkehr aus und nach Deutschland, Frankreich, England und den Niederlanden verkraften.

Die Hafenstadt hat sich in den letzten Jahren zunehmend zu einer Drehscheibe des Freizeitverkehrs entwickelt, insbesondere in den Abendstunden: Belgische, deutsche und niederländische Touristen auf dem Weg zur belgischen Küste fahren über den Autobahnring von Antwerpen.

Autobahnring nur 15 km groß

„Der nur 15 Kilometer kleine Ring rund um Antwerpen, an den mehrere große Autobahnen angebunden sind, ist aufgrund des gestiegenen Verkehrsaufkommens überlastet. Schon der kleinste Unfall führt zu langen Staus“, erklärt Beeckman. Im Durchschnitt ereignen sich jährlich ca. 1.000 Unfälle auf dem Antwerpener Ring, die unweigerlich schnell wachsende Staus auf den Autobahnen nach Antwerpen auslösen.

Auch auf dem Brüsseler Ring kommt es jährlich zu ca. 1.000 Unfällen. Die Auswirkungen sind jedoch von geringerem Ausmaß, weil der Brüsseler Ring länger als der Antwerpener ist

Tunnels: Engpässe

Wer die Schelde in der Hafenstadt überqueren muss, ist auf die Unterführungen angewiesen. Der Tunnel mit dem höchsten Verkehrsaufkommen in Belgien ist der Kennedytunnel (Titelfoto und Foto unten) mit jeden Tag durchschnittlich 157.000 Autos, Lastwagen und Bussen. Mit nur drei Fahrbahnen muss der fast 50 Jahre alte Bau mehr Verkehr verkraften als der andere Antwerpener Tunnel, der Craeybeckxtunnel: „1969 hatten Verkehrsexperten den Kennedytunnel für ca. 4.500 Fahrzeuge pro Stunde und Fahrtrichtung angelegt. 1990 wurden pro Tag im Durchschnitt 100.000 Fahrzeuge gezählt. Seitdem hat sich das Verkehrsaufkommen enorm gesteigert“, weiß Verkehrsexperte Beeckman.