Dolph Cantrijn

Fünf belgische Schweinepest-Fälle alarmieren die Nachbarstaaten Deutschland und Frankreich

Bislang waren vor allem osteuropäische Länder von der Afrikanischen Schweinepest betroffen. Zwei  Fälle in  Belgien haben Ende letzter Woche die Alarmbereitschaft der Behörden in Deutschland und Frankreich zusätzlich erhöht. "Die neue Situation nehme ich sehr ernst", erklärte Deutschlands Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). Ihr französischer Kollege Stéphane Travert forderte einen Aktionsplan für die Grenzregionen zu Belgien. Inzwischen wurden in der belgischen Provinz Luxemburg noch drei weitere Fälle bestätigt. Laboranalysen haben den Verdacht erhärtet, dass es sich um den gefährlichen Erreger handelt. Insgesamt starben an der Afrikanischen Schweinepest also schon fünf Wildschweine.

Ende vergangener Woche waren bei Arlon, in der Nähe der belgisch-luxemburgischen Grenze, etwa 60 Kilometer entfernt von der deutschen Grenze, zwei Wildschweine tot aufgefunden wurden, die mit der Afrikanischen Schweinepest (ASP) infiziert waren. Gegen das Virus gibt es bislang weder einen Impfstoff noch eine Behandlungsmethode. 

In der belgischen Provinz Luxemburg gibt es jetzt  noch drei neue Fälle von Afrikanischer Schweinepest. Damit sind bislang fünf Wildschweine an der Virusinfektion gestorben. Belgiens  Landwirtschaftsminister Denis Ducarme (MR) hat bereits zusätzliche Schutzmaßnahmen angekündigt.

Außerdem werde in den Wäldern der betroffenen Region nach weiteren infizierten Schweinen gesucht. Sollten sie gefunden werden, würden die Tiere umgehend gekeult, hiess es.  Montagvormittag spricht Ducarme auch mit EU-Landwirtschaftskommissar Hogan über Maßnahmen zur Eindämmung der Seuche. 

Das deutsche Landwirtschaftsministerium rief Schweinehalter zur strikten Einhaltung von Hygieneverordnungen auf. Jäger wurden aufgefordert, verendet aufgefundene Wildschweine den jeweils zuständigen Behörden anzuzeigen. Aber auch Aufklärung sei wichtig, weil vor allem Menschen zur Verbreitung der Seuche beitrügen: So würden Speisereste mit ASP-kontaminierten Schweinefleischerzeugnissen "unachtsam" entsorgt - eine Infektionsquelle für Wildschweine.

Der Deutsche Bauernverband erklärte, die Betriebe müssten nun noch mehr auf konsequente Hygienemaßnahmen achten, um die Bestände zu schützen. Die auf den Weg gebrachten Maßnahmen im Kampf gegen die Schweinepest müssten "schnellstmöglich" vom Gesetzgeber umgesetzt werden.

Aktionsplan in Frankreich

Der französische Landwirtschaftsminister Travert forderte die Präfekten der vier betroffenen Regionen an der Grenze zu Belgien auf, unverzüglich einen Aktionsplan umzusetzen. Dieser sieht unter anderem eine verstärkte Kontrolle der Schweinehaltungsbetriebe und der Wildtiere sowie der Schlachthöfe vor. Der Minister warnte, das Virus könne auch durch Fahrzeuge oder Nahrungsmittel weiter getragen werden.

Die belgische Behörde für Nahrungsmittelsicherheit erklärte, das Problem werde "sehr ernst" genommen, die eingeleiteten Maßnahmen würden "peinlich genau" befolgt. So werde alles getan, um zu verhindern, dass Wildschweine aus Seuchengebieten heraus kämen.

Was ist ‚Afrikanische Schweinepest‘ (ASP)?

Die ASP ist eine Infektion, die ursprünglich aus Afrika stammt. Das Virus überträgt sich über direkten Kontakt, kann aber auch über verseuchte Fleischwaren übertragen werden. Infizierte Schweine sterben in der Regel nach etwa einer Woche. Für Menschen ist das Virus nicht gefährlich. Landwirte fürchten bei einem Ausbruch in Westeuropa jedoch Milliardenschäden.

In Osteuropa sind bislang acht Länder betroffen: neben Polen sind das Tschechien, Bulgarien, Estland, Ungarn, Lettland, Litauen und Rumänien. Zudem gab es Schweinepest-Fälle in Russland und China. (Quelle: AFP, belga, rtbf)