Friedensglockenspiel steht nach Glockenweihe vor Vollendung: Neusser Glocke in Leuven montiert

Als erste von insgesamt 40 wurde die von der Stadt Neuss gestiftete Quirinus-Glocke im Turm der Parkabtei in der flämischen Universitätsstadt Leuven (dt.: Löwen) montiert. Am Montag waren alle Glocken auf dem Zentralplatz vor der Abtei gesegnet worden waren. In den nächsten Wochen werden sie zu einem Instrument, einem Carillon, zusammengeführt. 

Dieses Friedensglockenspiel, ein Nachbau des zu Beginn des Ersten Weltkriegs am 25. August 1914 zerstörten Werkes, soll am 11. November zum ersten Mal erklingen. Dann jährt sich das Ende des Ersten Weltkriegs zum 100. Mal.

Bei der Glockensegnung Anfang der Woche wurde die Stadt durch den Rotary Club Neuss vertreten. Er gehört zu den vielen Stiftern, die sich dem Aufruf von Rat und Bürgermeister angeschlossen und das Projekt unterstützt haben. Im Rahmen dieser Feier überreichte der Leuvener Bürgermeister Louis Tobback den Abdruck des Neusser Stadtwappens, wie er auf die Neusser Friedensglocke geprägt worden ist. Bürgermeister Reiner Breuer nahm das Geschenk dankbar entgegen. Für ihn ist das 2015 gemeinsam gestartete Friedensprojekt eine Herzensangelegenheit. Er wird im November zur „Premiere“ auch nach Leuven reisen.

Kriegsgräuel

Die Neusser Glocke ist eine der beiden großen Glocken und trägt, ebenso wie die Schwesterglocke der Stadt Leuven, die Inschrift „his campanis crescant pax concordiaqve“ (dt.: Mögen Frieden und Eintracht durch diese Glocken wachsen). Zudem trägt sie das Stadtwappen und die Namensinschrift „Quirinus“.

Das ursprüngliche Glockenspiel war bei einem Brand zerstört worden, den deutsche Truppen gelegt hatten. Maßgeblichen Anteil an diesem Kriegsgräuel hatten auch die Männer eines Neusser Landwehrbataillons. Mehr als 240 Einwohner Leuvens verloren ihr Leben und über 1000 Wohnhäuser, zahlreiche Denkmäler und Kunstwerke der alten Universitätsstadt fielen den Flammen zum Opfer, unter anderem auch die jahrhundertealte Universitätsbibliothek.

Die wissenschaftliche Aufarbeitung dieses Massakers durch das Neusser Stadtarchiv war der Anfang einer inzwischen freundschaftlichen Beziehung beider Städte. (Quelle: ngz.online)