Oxfam-Bericht: Vier weltweit größten Pharmakonzerne lenken ihren Gewinn zur Steuervermeidung um

Die weltweit vier größten Pharmakonzerne haben in den vergangenen drei Jahren eine halbe Milliarde Euro weniger an Steuern bezahlt, in dem sie ihre Gewinne in Steueroasen umlenkten. Das lässt die internationale Organisation Oxfam in ihrem Bericht „Prescription for Poverty" an diesem Dienstag wissen. Konzerne wie Johnson & Johnson oder Pfizer verlagern ihre Gewinne in Länder wie die Niederlande, Irland und Singapur. Dort greifen jede Menge Steuervorteile. Auch Belgien wird dem Bericht zufolge auf der Liste dieser Länder geführt.

Oxfam kritisiert den großen Einfluss, der pharmazeutischen Multinationals. Der Bericht hat auch berechnet, dass die Pharma-Industrie allein für Lobbyarbeit bei den Europäischen Institutionen in Brüssel 40 Millionen Euro ausgegeben hat.

Größtes Opfer der Steuerflucht der Pharmakonzerne sollen die Vereinigten Staaten sein,. Doch hätten auch Frankreich, Deutschland, Italien, Indien und Kolumbien dadurch viele Millionen verloren. "Wir haben die sichtbaren finanziellen Informationen vier großer Pharmakonzerne analysiert und daraus hat sich ergeben, dass sie systematisch höhere Gewinnmargen in Steueroasen wie den Niederlanden, Irland und Singapur erzielen als sie in Entwicklungsländern oder in Ländern wie Frankreich und Deutschland herausholen würden", erklärt Maaike Vanmeerhaeghe von Oxfam. Lag die Gewinnmarge der vier Unternehmen zwischen 2013 und 2015 in Steueroasen bei 31 Prozent, war sie in Entwicklungsländern mit nur 5 Prozent viel niedriger. In der Mehrzahl der entwickelten Volkswirtschaften betrug die Gewinnmarge etwa 7 Prozent.

Obwohl die Niederlande, Irland und Singapur laut Oxfam-Studie eine Schlüsselrolle spielten, könnten Pharmariesen auch in anderen Ländern, darunter in Belgien, von Steuervorteilen profitieren. Hierzulande soll es sich dabei zum Beispiel um den fiktiver Zinsabzug für Eigenkapital und Steuerabzüge bei Innovation handeln - Maßnahmen, mit denen Pharmabetriebe ihre steuerpflichtigen Gewinne bis zu 80 Prozent verkleinern konnten. Insbesondere Johnson & Johnson soll von diesen Vorteilen profitiert haben. So bezahlte die Tochtergesellschaft Janssen Pharmaceutica zwischen 2013 und 2015 nur 1 bis 2 Prozent Steuern in Belgien.

Die belgische Regierung müsse gegen Steuerflucht vorgehen, fordert Vanmeerhaeghe. Schon allein unter Wettbewerbsgesichtspunkten sei es wichtig, dass Gewinnverlagerungen in Niedrigsteuerländer begegnet werde. Sie bewirken, dass heimische kleine und mittlere Unternehmen viel mehr Steuern zahlen als konkurrierende international tätige Konzerne. Dadurch geraten sie in einen Wettbewerbsnachteil.

Konzerne verkaufen ihre Medikamente zu teuer

Weiter geht aus dem Bericht von Oxfam hervor, dass die Konzerne viel zu hohe Preise für ihre Medikamente verlangten. So könne laut Oxfam Pfizers Arzneistoff 'Paclitaxel' zur Behandlung gegen Brustkrebs für 1,16 Dollar hergestellt werden, doch werde dieser in den Vereinigten Staaten für 276 Dollar und im Vereinigten Königreich für 912 Dollar verkauft. 'Bedaquiline', ein Medikament gegen Tuberkulose von Janssen Pharmaceutica, kostet bis zu 708 Euro in Südafrika, während ein Generika für gerade einmal 41 Euro auf den Markt gebracht werden könnte.