Belga

Grenzüberschreitendes Verhalten im Tanzsektor: "Wir waren Teil des Systems"

Etwa ein Dutzend Choreografen, die in Belgien arbeiten, haben sich in einem offenen Brief solidarisch mit den Opfern von grenzüberschreitendem Verhalten im Tanzsektor erklärt.

Sie reagieren damit auf die Anschuldigungen, die ehemalige Mitarbeiter des Allround-Künstlers Jan Fabre gemacht haben. Die Choreografen geben zu, dass es in ihrem Sektor mehr grenzüberschreitendes Verhalten gibt als bekannt geworden sei, weil das bislang im Verborgenen geblieben sei. Das werde sich ändern, versprachen sie.

Jan Fabre wird in diesem Brief nicht mit Namen genannt, aber die Choreografen bezeugen den Opfern von Machtmissbrauch explizit ihre Unterstützung. Sie gehen sogar noch weiter und hadern mit sich selbst. So heißt es: „Wir müssen erkennen, dass wir Teil eines Systems ausmachten. Und wir entschuldigen uns, dass wir nichts unternommen haben, um den Missbrauch zu verhindern. Wir entschuldigen uns für jeden Moment, den wir weggeschaut haben."

Der Brief ist also ein kollektives Schuldeingeständnis. Die Choreografen versprechen, diese Schweigekultur zu durchbrechen. Auch noch auffallend ist: Sie fordern, dass bei Beschlüssen zur Förderung von Künstlern ethische Aspekte eine Rolle spielen sollten. Mit anderen Worten, keine Finanzspritze mehr für diejenigen, die sich eines grenzüberschreitenden Verhaltens schuldig gemacht haben.