Stillgelegte Kernreaktoren: Reicht die Strom-Kapazität für den kommenden Winter?

Am Freitag wurde deutlich, dass im November nur einer der insgesamt sieben belgischen Atommeiler Elektrizität produzieren wird. Grund dafür sind Unterhalts- und Reparaturarbeiten an den anderen Reaktoren. Theoretisch sollen ab Dezember wieder fünf Meiler am Netz sein, doch dies bezweifelt die belgische Atomaufsicht FANC.

Von den insgesamt sieben Kernreaktoren, die in unserem Land Strom liefern, sind derzeit zwei am Netz: Doel 3 und Tihange 1. Doch Ende Oktober wird auch Tihange 1 heruntergefahren, weil auch dort Unterhaltsarbeiten anstehen. Das bedeutet, dass im November nur ein Meiler in ganz Belgien dreht und produziert.

Aufgrund von Alternativen, wie Importstrom oder rasch in Betrieb zu nehmende Gaskraftwerke, wird dies kein Problem darstellen, so sowohl die Energieproduzenten, als auch Fachleute in diesem Bereich.

Längere Unterhalts- und Reparaturarbeiten

Doch durch die Tatsache, dass die Arbeiten an den Meilern Tihange 2 und 3 länger dauern werden, weil dort Schäden am Stahlbeton von Nebengebäuden, wo u.a. die Not- und Sicherheitssysteme arbeiten, festgestellt wurden, müssen diese länger angeschaltet werden: Tihange 2 bis zum 31. Mai 2019 und Tihange 3 bis zum 1. März 2019. Ganz nebenbei: Auch an einem Gebäude neben dem Meiler Doel 4 wurden Betonschäden an der Decke entdeckt…

Angesichts der Planung, mit der Kraftwerksbetreiber Engie Electrabel (dieses Unternehmen betreibt beide belgische Atomkraftwerke, Tihange bei Huy in der Provinz Lüttich und Doel bei Antwerpen) im Zuge der Unterhalts- und Reparaturarbeiten vorgeht, müssten Ende Dezember wieder fünf Meiler ans Netz angeschlossen werden können.

Keine Planung ohne Belgiens Nuklearwachhund

Dies aber bezweifelt die belgische Bundesagentur für Nuklearsicherheit (FANC). Dort heißt es, dass Engie Electrabel seine Termine in Bezug auf die Transparenz auf dem Energiemarkt veröffentliche, doch dies trage mit dem Auftrag der FANC. Hier werde nur dann grünes Licht für das Hochfahren eines Reaktors gegeben, wenn alle sicherheitsrelevanten Aspekte dies erlauben würden. Dafür nehme man sich die dazu nötige Zeit, so FANC-Sprecher Erik Hulsbosch. VRT NWS-Energiespezialist Luc Pauwels sagte dazu, dass die Gaskraftwerke schon jetzt auf vollen Touren arbeiten würden.

Das bedeutet, dass unser Land deutlich mehr und länger Elektrizität importieren müsste, als offiziell geplant. Das ist natürlich teuer. Die Frage ist, ob dies ausreicht, um einen Blackout zu vermeiden oder in wie fern das die Verbraucher auf ihren Stromrechnungen zu spüren bekommen. Oder handelt es sich hier nur um Panikmache von Seiten der Stromlobby? Bisher hat jedenfalls noch kein einziger vorausgesagter Energieengpass in Belgien für Stromausfälle gesorgt… 

Verbraucherschützer warnen, Ministerin widerspricht

Die belgische Verbraucherschutzorganisation Test Achats/Test Aankoop warnte jedenfalls davor, dass die Strompreise in diesem Winter steigen werden. Bundesenergieministerin Marie-Christine Marghem (MR) geht allerdings nicht davon aus, dass die Verbraucher im kommenden Winter mit höheren Strompreisen zu rechnen haben.

Die zu erwartenden Preisanstiege durch erhöhte Stromimporte aus dem Ausland beschränken sich nach ihren Angaben auf den Handel am internationalen Elektrizitätsmarkt und würden demnach nicht direkt an die Verbraucher weitergereicht.

Die meisten Stromverträge, die die privaten Haushalte mit ihren Energielieferanten abschließen, haben zudem feste Tarife, so die Ministerin gegenüber unseren frankophonen Kollegen der RTBF.