Epidemie? Immer dreistere Kabeldiebstähle bei der belgischen Bahn

Im Rahmen einer großangelegten Aktion gegen Kabeldiebstahl auf dem Schienennetz der belgischen Eisenbahn (NMBS/SNCB) sind der belgischen Bundespolizei in der Nacht zum Samstag zwei Verdächtige in die Hände gefallen. In Hélécine in der Provinz Wallonisch-Brabant fassten die Beamten zwei Rumänen, die sich illegal in Belgien aufhalten. Sie bewegten sich in einem Fahrzeug, dass der Bahnpolizei als verdächtig vorgekommen war, weil es sich wiederholt in Gleisnähe aufgehalten hatte.

Eine Zeit lang (2012-2013) waren die Preise für Kabelschrott aus Kupfer sehr hoch und die Diebstähle vor allem bei der Bahn häuften sich. Doch seit diese Preise wieder gesunken waren, hörte das Übel fast wieder auf. Doch seit Juni 2018 geht es wieder los.

In den Monaten Juni, Juli und August 2018 wurden alleine auf Bahngebiet 87 Fälle von Kabeldiebstahl registriert. Doch der Höhepunkt kam in der Nacht vom 9. auf den 10. September, als 2.600 Meter Kabel auf einmal gestohlen wurden. In der Zeit zwischen Juni und Mitte September 2018 wurde der Bahn mehr Kupfer entwendet, als im gesamten Vorjahr. 2017 registrierte die Bahn „nur“ 63 Fälle insgesamt.

Zumeist klauen die Diebe Kupferkabel, das entlang der Gleise verläuft, um Signale, also sicherheitsrelevante Kabel, miteinander zu verbinden. Doch es hat auch schon Fälle gegeben, bei denen glatt einige Meter Kabel der Oberleitung angeschnitten wurden. Ganz nebenbei bemerkt: Die Diebe begeben sich dabei jedes Mal in Lebensgefahr, denn schon Signalkabel haben 1.000 Volt… 

Indizien

Manchmal sehen die Mitarbeiter der Bahnpolizei und des Infrastruktur-Dienstleisters der Bahn, Infrabel, wenn sie an einem Tatort ankommen, die Diebe noch abhauen. Manchmal gelingt es ihnen, Autonummern zu notieren. Dadurch war auch das Auto der beiden rumänischen Diebe Freitagnacht aufgefallen. Es trug eine verdächtige Nummer und befand sich in der Nähe eines Schienenstrangs. Zuletzt fanden Infrabel-Mitarbeiter auch den Ausweis eines Bulgaren an einem der Tatorte.

Bei Infrabel und bei der Bahnpolizei ist man davon überzeugt, dass es sich bei den Tätern um eine oder zwei organisierte Banden handelt, die sich auf Bahnkabel spezialisiert haben, wie die frankophone Sonntagszeitung „7 Dimanche“ dazu schreibt.

Dabei hat es zumindest eine der Banden auf die Region um Lüttich abgesehen, wo am Montag in der vergangenen Woche sogar Kabel an der Hochgeschwindigkeitslinie zwischen Lüttich und Löwen angeschnitten wurde und tags drauf auf der Steigungsstrecke zwischen dem Lütticher Hauptbahnhof Guillemins und dem Haltepunkt Ans am Ende des Anstiegs. 

Folgen

Alleine in diesem Jahr verursachten Kabeldiebe auf dem belgischen Schienennetz einen Materialschaden von rund 1,5 Mio. €. Doch die Kosten, die durch den Ausfall von Zügen bei dadurch erforderlichen Streckensperrungen entstehen, sind kaum zu beziffern. Alleine im August 2018 mussten nicht weniger als 2.043 Züge ausfallen. Das betrifft nur die Reisezüge.

Der Güterverkehr ist ebenfalls davon betroffen und hier muss die Bahn privaten und/oder ausländischen Cargo-Gesellschaften hohe Konventionalstrafen zahlen, wenn Züge ausfallen oder durch Streckensperrungen weiträumig umgeleitet werden müssen, was für teils heftige Verspätungen sorgt. In unserer heutigen „Just-in-Time“-Wirtschaft kann man sich die weiteren Folgen sehr gut ausmalen…