Gedenkstätte Kaserne Dossin: Ausstellung „Holocaust im Comic“

In der Kaserne Dossin, der Holocaust-Gedenkstätte in Mechelen in der Provinz Antwerpen, widmet sich derzeit eine hochinteressante Ausstellung der Comic-Kunst, bzw. dem Holocaust als Thema von Comics oder Graphic Novels. Tatsächlich hat dieses Thema in den 75 Jahren seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs seinen Niederschlag in dieser Kunstform gefunden. Die Kaserne Dossin bietet einen Überblick.

Die Ausstellung „Holocaust im Comic“ zeigt, dass dieses Thema in der sogenannten „Neunten Kunst“ seinen Platz hat. Sie zeigt, wie die Zeichner und Szenaristen aus diesem Genre in den vergangenen 75 Jahren mit dem Grauen, mit Opfern und Tätern und mit einer insgesamt doch beladenen Geschichte umgegangen sind. Dabei kommen viele Zeichner und Geschichten zum Tragen, wie zum Beispiel Art Spiegelman mit seinem doch weltberühmten Geisteskind „Maus“. Doch auch weniger bekannte Comiczeichner werden vorgestellt, bis hin zu Manga-Zeichnern aus Japan.

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„Holocaust im Comic“, im Originaltitel „Holocaust en Strips“, ist eine Weiterentwicklung des Konzepts „Shoah en Bande Dessinée“, dass vergangenes Jahr im Memorial de la Shoah in Paris zu sehen war. Für die Ausstellung in der Kaserne Dossin wurde das Projekt um einen Aspekt erweitert, nämlich um den Aspekt der Comic-Kunst in den „Niederen Landen“, Belgien und die Niederlande. Die Ausstellung stellt rund 200 Werke vor, zu denen es viel zu lesen und zu sehen gibt, bis hin zu Originalzeichungen.

Zeichnungen aus Ausschwitz

Den eigentlichen Anfang der Ausstellung bilden einige Zeichnungen, die Soldaten im dem gerade befreiten KZ entdeckt hatten. Diese insgesamt 12 Zeichnungen zeigen das Geschehen in den Baracken. Gezeichnet waren sie mit den Buchstaben „MM“. Wer dieser MM war, ist nicht bekannt.

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In Mechelen sind vier dieser 12 Zeichnungen zu sehen. Interessant ist auch ein kleines Büchlein, in dem sich die Walt Disney-Figur Micky Maus mit dem Holocaust bzw. mit der Ausgrenzung auseinandersetzt. Von diesem Büchlein hatte sich der Verlag damals distanziert…

In groben Zügen zusammengefasst bildet eigentlich „Maus“ von Art Spiegelman den Anstoß zum Thema Holocaust im Comic-Bereich. In einer schier unerschöpflichen Menge an Zeichnungen und Autoren zeigt sich der grafische, künstlerische und historische Reichtum, mit dem die Künstler auf dieses Thema zugegangen sind. Interessant dabei ist, dass auch Zeichner und Szenaristen, die eigentlich im Bereich Humor unterwegs waren und sind, diesem Thema nicht aus dem Weg gegangen sind.

„Holocaust im Comic“ in Belgien und in den Niederlanden

Speziell für das Konzept „Holocaust im Comic“ in der Kaserne Dossin in Mechelen wurde „Shoah en Bande Dessinée“ des Memorial de la Shoah in Paris um einen Aspekt ergänzt, der sich mit diesem Thema in der Neunten Kunst in Belgien und in den Niederlanden auseinandersetzt. Hinter jeder Deportation und hinter jedem Tod in einem Vernichtungslager der Nazis verbirgt sich ein individuelles Schicksal, eine eigene Geschichte. Dabei wollten die Ausstellungsmacher die spezifischen Gesetze und Regelungen, bzw. die für hier typische Umgangsweise damit unterstreichen.

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Das „Tagebuch der Anne Frank“ aus Amsterdam ist auch als Graphic Novel zu einem ikonischen Werk mit weltweiter Ausstrahlung geworden und auch in Belgien haben einige Werke Zeichen gesetzt. Dazu gehören zweifellos „Sanne & Sanne“ von Marc Verhaegen, wo eine für Flandern typische Erzählform zum Tragen kommt oder auch „Deuxième Génération“ von Michel Kichka, der sich auf Basis seiner eigenen Familiengeschichte mit der Auswirkung des Holocaust auf die Gesellschaft in ganz Europa befasst.

Diese Werke zeugen von Intelligenz und Tiefgang und sie haben auch in den Augen der Ausstellungsmacher einen wichtigen Erinnerungswert. Auf einer Tafel zu diesem Thema heißt es denn auch treffend: „In einer Zeit, in der überall auf der Welt wieder totalitäre Tendenzen auftauchen, erinnern sie daran, dass gesellschaftliche Veränderungen oft auf Kosten von Minderheiten geschehen.“

„Deuxième Génération“ von Michel Kichka

Michel Kichka ist einer der wichtigsten Comiczeichner in Israel. Zur Welt gekommen ist er aber 1954 in Lüttich hier in Belgien. Sein Comic "Deuxième Génération: Ce que je n’ai pas dit à mon père" ("Zweite Generation : Was ich meinem Vater nicht gesagt habe") aus dem Jahr 2012 gilt als sein Schlüsselwerk. Im Alter von 20 Jahren zieht Kichka von Lüttich nach Jerusalem um, wo er an der Bezalel Akademie studiert. Er wird sowohl Zeichner, vornehmlich für die Presse, als auch Dozent für die Fächer Karikatur und Comic an deiner alten Schule.

In seinem Graphic Novel "Deuxième Génération: Ce que je n’ai pas dit à mon père" geht er vor, wie schon Art Spiegelman mit "Maus". Er erzählt von seinen Erfahrungen als Kind eines Vaters, der den Holocaust überlebt hat. Eine seiner Zeichnungen basiert dabei auf einem Familienfoto.

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Dieses Buch ist aber auch eine Homage an seinen Vater, Henri Kichka, der 1926 in Brüssel als Sohn eines staatenlosen jüdischen Ehepaars aus Polen zur Welt kam. Er und seine gesamte Familie wurden am 12. September 1942 von der Sammelstelle in der Kaserne Dossin in Mechelen aus nach Auschwitz deportiert und überlebte den Holocaust als einziger.

Nach dem Krieg gab Henri Kichka Vorträge und Lesungen für Kinder und Jugendliche und erzählte dabei von seinem Überleben in insgesamt 11 Lagern und davon, dass er auch einen der zahlreichen Todesmärsche am Ende des Dritten Reiches teilnehmen musste…

„Holocaust im Comic“, noch bis zum 22. April 2019 in der Kaserne Dossin, Goswin de Stassartstraat 153, 2800 Mechelen. Info: www. kazernedossin.eu