Antwerpen: Mit New Yorker Sicherheitsprogramm gegen Kriminalität

Antwerpens Bürgermeister Bart De Wever will Nägel mit Köpfen machen: Er ruft an diesem Montag ein neues Onlineportal ins Leben, über das sich Polizei, Unternehmen und Bürger Informationen zu Kriminalität austauschen können, ganz nach dem New Yorker „Shield“-Modell.

Kurz vor den Kommunalwahlen im Oktober in Belgien schaltet der Bürgermeister von Antwerpen einen Gang höher: Er hat zwei Beamte des NYPD (New York City Police Department) nach Antwerpen geladen sowie den Korpschef Serge Muyters und den Sicherheitskoordinator des Antwerpener Diamantensektors. Sie sollen sich die neue Online-Plattform, die die Polizei, Unternehmen und Bürger miteinander verbindet, ansehen. Ziel ist, dass die Betroffenen über ein digitales Portal Informationen über Verdächtiges in ihrer Umgebung melden und austauschen. Auf diese Weise soll ein großes Informationsnetzwerk entstehen, das die Polizei im Kampf gegen Kriminalität, unter anderem gegen Kokainschmuggel im Antwerpener Hafen, unterstützen soll.

In New York wurde ein solches Programm bereits nach den Anschlägen vom 11. September 2001 im Kampf gegen Terrorismus eingeführt. Das New York Police Department stellte in Unternehmen Sicherheitsbeamte ein. Sie sollten Verdächtiges in ihrem Unternehmen melden und wurden im Gegenzug hierzu von der Polizei über die Kriminalität in ihrer Stadt unterrichtet. „Eine Win-win-Situation“, heißt es in der Zeitung De Morgen.

Zunächst soll die Antwerpener Version des Programms allein Firmen zugänglich gemacht. Jede Firma bekommt eine Kontaktperson zugeteilt, die mit Sondererlaubnis der Behörden Informationen teilen darf. Später werde auch das breite Publikum einbezogen, heißt es. Auf diese Weise könne das Portal auf Schulen, Sportvereine und andere Verbände ausgeweitet werden.

Ein umstrittenes Programm

Doch das Programm ist umstritten. So fragt sich die ehemalige Polizeikommissarin und Kandidatin der flämischen Sozialdemokraten in Antwerpen, Jinnih Beels, was passiere, wenn sich Bürger gegenseitig unrechtmäßig beschuldigten? Was, wenn sie das Recht in die eigenen Hände nehmen? Das System übertrage den Bürgern die  Verantwortung der Bezirkspolizei und nehme ihr ein Stück weit ihre Souveränität weg, findet Beels. Man lenke mit dem Thema vor allem von innerpolitischen Problemen Antwerpens ab.

Ein Sprecher De Wevers betont, dass "Shield" nicht einfach eine Zentrale zum Anklicken werde. Handel und Polizei arbeiteten in vielen Fällen eng zusammen und "Shield" baue auf diesem Prinzip weiter auf.

Mit dem Projekt könne sich De Wever auch wieder sein Image als „Law and Order“-Bürgermeister aufpeppen, so ein Politologe in De Morgen.

Die Kommunalwahlen stehen eben vor der Türe!