Energieversorgung in Belgien: Stromimporte auf Rekordniveau

Die Tatsache, dass im November sechs von sieben Kernreaktoren in Belgien durch Unterhalts- oder Reparaturarbeiten abgeschaltet sein werden, sorgt für Diskussionen um eine vielleicht nicht ausreichende Stromversorgung. In Flandern wurde der alte Abschaltplan zum lokalen Stromsparen aktiviert und die Politik setzt auf Importe aus dem Ausland. Doch unser Land importiert gerade ohnehin so viel Strom wie selten. Am Dienstag lag die Menge an importiertem Strom bei knapp 5.000 Megawatt. 

Nach Berichten der flämischen Tageszeitungen De Standaard und Gazet van Antwerpen hat unser Land am Dienstag 5.000 Megawatt Strom aus dem Ausland eingeführt. Das entspricht rund der Hälfte des Bedarfs. Damit soll die maximal mögliche Importkapazität schon fast erreicht sein. Bundesenergieministerin Marie-Christine Marghem (MR - Foto unten) kündigte deshalb ebenfalls am Dienstag Verhandlungen über zusätzliche Stromeinfuhren mit den Nachbarländern an.

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Marghem ist derzeit einmal mehr umstritten. Sie hatte in der jüngsten Vergangenheit darauf verzichtet, Stromreserven für den Winter anlegen zu lassen. Dabei berief sie sich auf den faktischen Energiemonopolisten Engie Electrabel und auf Zahlen des hiesigen Stromnetzbetreibers Elia.

Am Mittwoch sollen Vertreter von Electrabel und Elia in der Ersten Kammer des belgischen Bundesparlaments erklären, wie sie die Stromversorgung im November sicherstellen wollen. Nach Angaben von Elia kann unser Land im November selbst nur rund 8.000 Megawatt Strom produzieren. Wird es dann aber mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt anhaltend kalt, kann der Bedarf auf über 14.000 Megawatt steigen, doch die Importkapazität ist derzeit auf 5.500 Megawatt begrenzt.

Marghem jubelt

Energieministerin Marghem aber trotzt der anhaltenden Kritik, denn sie gibt an, sich mit Engie Electrabel darauf geeinigt zu haben, dass einige Gaskraftwerke wieder hochgefahren werden sollen: „In vier Tagen Zeit habe ich für 750 Megawatt gesorgt. Das ist ein erster Schritt, doch das reicht noch nicht.“ 250 dieser 750 Megawatt Elektrizität aus Gaszentralen kommen allerdings nicht vom Quasi-Monopolisten Engie Electrabel sondern aus dem Gaskraftwerk von Vilvoorde, das das bulgarische Unternehmen Energy Market betreibt. Energy Market ist aber ein Partner von Engie Electrabel.

„In vier Tagen Zeit habe ich für 750 Megawatt gesorgt.“

Belgiens Energieministerin Marie-Christine Marghem (MR)

Aus dem Bundesenergieministerium verlautete, dass Margem inzwischen Kontakt zu ihren Amtskollegen in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden aufgenommen hat, um weitere Importe auf den Weg zu bringen. Vor allem aus Richtung Deutschland seien noch Kapazitäten frei. Zwischen Belgien und Deutschland werden derzeit übrigens unterirdische Hochspannungsleitungen angelegt.