Hat Engie-Electrabel bei den Atommeilern in Belgien Profit über Sicherheit gestellt?

Der Stromversorger Engie-Electrabel, der die Atommeiler in Belgien betreibt, weist die Vorwürfe, das Unternehmen habe die Betonprobleme negiert, zurück. Ein anonymer Zeuge im französischsprachigen Sender RTBF hatte erzählt, dass die Betonprobleme in den Reaktoren in Tihange schon seit Mitte der 90er Jahre bekannt gewesen seien. Engie-Electrabel habe die Überprüfung der Reaktoren auf die lange Bank geschoben. "Wir investieren jährlich mehr als 200 Millionen Euro allein in die Wartung unserer Meiler", verteidigte sich Engie-Electrabel an diesem Freitag.

Der anonyme Zeuge, der bereits seit Jahren für Engie-Electrabel arbeitet, sagte dem RTBF-Sender, dass seit der Übernahme von Electrabel durch die französische Gruppe Suez Ende der 90er Jahre "Profit Priorität“ habe und dass Investitionen in die Wartung solange verschoben würden, bis es gar nicht mehr gehe.

„Das stimmt ganz und gar nicht” verteidigte die Sprecherin des Stromlieferanten, Anne-Sophie Hugé, Engie-Electrabel. Die Beton-Frage sei von Anfang an beobachtet worden. “Wir haben in der Vergangenheit bereits Reparaturen durchgeführt, sobald dies nötig wurde. Und uns ist es immer gelungen, die Meiler mit den notwendigen Genehmigungen hochzufahren.“

Engie-Electrabel betonte auch noch, dass notwendige Investitionen unternommen würden, damit die Sicherheit garantiert sei. „Wir investieren jährlich mehr als 200 Millionen Euro allein in die Wartung der Meiler."

Sprecherin Hugé verneinte auch noch, dass es Spannungen zwischen der belgischen Belegschaft und dem französischen Betreiber über die Sicherheitspolitik und die Kontrolle der Meiler gegeben habe. Wirtschaftliche Aspekte seien zu keinem Zeitpunkt über die Sicherheitsfragen gestellt worden.

Folge chronischer unzureichender Investitionen" 

Die Energieministerin Marie-Christine Marghem (MR) glaubt offenbar der anonymen Zeugenaussage des Engie-Mitarbeiters.

Es sei enttäuschend, die Folgen chronischer unzureichender Investitionen in bestimmten strategischen Sektoren wie dem Energiesektor feststellen zu müssen. „Ich , die dachte, dass Sicherheit Priorität habe!", schreibt die Ministerin auf Twitter.