Ruanda bekommt von Belgien Archive aus Kolonialzeit in digitaler Form zurück

Belgien wird die Archive Ruandas aus der Kolonialzeit in digitaler Form zurückgeben. Hierfür stellt die Regierung 400.000 Euro zur Verfügung. Wie das Kabinett des Ministers für Entwicklungszusammenarbeit, Alexander De Croo, bestätigte, werde das Projekt zur Digitalisierung des Archivs rund zwei Jahre in Anspruch nehmen.

Sämtliches Archivmaterial, das sich im Besitz des AfricaMuseums in Tervuren und im Staatsarchiv befindet, soll digitalisiert werden. Mit dem Projekt der Digitalisierung der Sammlungsbestände werde nächstes Jahr begonnen. Dann soll auch die Besichtigung einer Delegation von Archivaren aus Ruanda erfolgen. Die Archivare werden ihre Prioritäten erörtern, das heißt vorgeben, mit welchen Objekten begonnen werden soll.

Es handelt sich um mehrere Kilometer an Archivmaterial. Parallel zur Digiatlisierung der Archive wird auch noch Fachwissen zur Verfügung gestellt und Archivare werden aus- und fortgebildet.

Die Diskussion um die koloniale Vergangenheit von Museen und ihren Sammlungen und um die Rückgabe der Archive an die ehemaligen Kolonien ist nicht neu in Belgien. Vor diesem Hintergrund hatte Minister De Croo vergangene Woche an einer Konferenz zur Stärkung der afrikanisch-europäischen Beziehungen teilgenommen. Veranstalter der Konferenz waren das Königliche Egmont Institut für Internationale Beziehungen und das AfricaMuseum in Tervuren.

Anfang der Woche hatten auch 36 Afrika-Experten einen öffentlichen Brief unterzeichnet, der in der Zeitung De Standaard publiziert wurde. In dem Brief plädieren sie für eine Rückgabe der Objekte aus kolonialen Kontexten durch den belgischen Staat.

Das Kabinett von De Croo weist in dem Zusammenhang auf die Bedeutung des Dialogs über die Rückgabe afrikanischen Kulturguts mit den Regierungen, Museumsdirektoren und Experten aus afrikanischen Ländern hin. Dem Kabinett sei aufgefallen, dass kaum Unterzeichner darunter gewesen seien, die in Afrika wohnten und arbeiteten, heißt es.  Aus Kontakten zu afrikanischen Museumsdirektoren gehe hervor, dass diese auf die Verfügbarkeit der Güter über kostenlose Leihgaben für Ausstellungen in ihrem eigenen Land und weltweit beharrten, vorausgesetzt das sei technisch möglich.

Das belgische Projekt könnte das erste dieser Art sein.