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Problematische Luftqualität: Mehr als Zweidrittel aller Flamen sind betroffen.

Eine gemeinsamen Messaktion der flämischen Umweltbehörde, der Universität Antwerpen und der Zeitung ‚De Standaard‘ kommt zu der erschreckenden Schlussfolgerung, dass fünf Millionen Flamen mit mäßiger bis schlechter Luftqualität und regelmäßigem Smog konfrontiert werden. Fast eine Million Flamen atmet stark verunreinigte Luft ein. In Antwerpen ist die Lage dramatisch.

Etwa 20.000 repräsentative flämische Haushalte hatten im vergangen Mai die Stickstoffdioxyd-Konzentration vor ihrer Wohnung gemessen. Das Projekt hieß ‚CurieuzeNeuzen‘ (dt.: Neugierige Nasen) und damit sollte objektiv nachgewiesen werden, wie gut oder schlecht die Luftqualität im sehr dicht besiedelten Flandern nun eigentlich ist.

Im Schnitt liegt die Stickstoffdioxyd-Konzentration (NO2) in Flandern bei 22,8 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Stickstoffdioxid ist ein schädliches Gas, das von Autos und Lastwagen freigesetzt wird. Je mehr Verkehr, desto mehr Stickstoffdioxid und desto größer die durch den Verkehr verursachte Luftverschmutzung.

Weltgesundheitsorganisation

Nach den Richtlinien der WHO gilt das als mäßige Luftqualität. Hiervon sind 3,9 Millionen Flamen betroffen. Die Weltgesundheitsorganisation warnt bereits ab 20 Mikrogramm vor negativen Folgen für die Gesundheit. Städte wie Brügge, Gent, Sint-Niklaas, Aalst und Leuven flirten mit diesem Grenzwert.

Ab 30 Mikrogramm gilt die Luftqualität als schlecht. 813.000 Flamen atmen demnach zu viel Stickstoff ein.

40 Mikrogramm (europäischer Schwellenwert) und mehr gelten laut WHO als unzulässige Belastung. Damit müssen immerhin 150.000 Menschen in Flandern leben.

Besonders betroffen: Antwerpen

Bei der Luftverschmutzung gibt es große Unterschiede: In den Städten ist die Luft deutlich schlechter als auf dem Land. Am schmutzigsten ist die Luft in Antwerpen. In der Hafenstadt wurde fast nirgendwo gute Luftqualität gemessen. Etwa 32 Prozent der gemessenen Werte lag über 40 Mikrogramm Stickstoffdioxyd. Sehr hohe Werte – über 60 Mikrogramm – wurden an den Leien, der Turnhoutsebaan und dem Stuivenberg-Krankenhaus gemessen. Schuld hieran sind das hohe Verkehrsaufkommen und der Hafen.

Aber nicht nur Städte schneiden schlecht ab, auch die kleinsten Gemeinden überschreiten den Schwellenwert. Dies ist vor allem auf den schlechten Verkehrsfluss in vielen flämischen Gemeinden zurückzuführen. Aufgrund der vielen Ampeln, Kreisverkehre und Kreuzungen muss der Verkehr ständig anhalten und beschleunigen. Und das ist besonders schlecht für die Luftqualität. So gibt es beispielsweise in Wuustwezel, Opglabbeek, Lier und Diksmuide besonders hohe Stickstoffdioxidkonzentrationen.

Einige Orte in Flandern punkten sogar so schlecht, dass sie den Titel "Schwarze Kreuzung" erhalten. In Houthalen-Helchteren, an der Kreuzung von Grote Baan und Ringlaan, wurde der höchste Wert Flanderns mit 75,3 Mikrogramm gemessen. Das ist fast viermal so hoch wie der WHO-Schwellenwert von 20 Mikrogramm. Auch am Stadtring von Ostende, Brügge und Mechelen sind Werte von mehr als 70 Mikrogramm keine Ausnahme.

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