Ein Viertel der Erstwähler in Flandern würden autoritären Führer der Demokratie vorziehen

Anlässlich der für den am 14. Oktober anstehenden Kommunal- und Provinzwahlen ließ VRT NWS Jung- und Erstwähler in Flandern nach ihrer Haltung und nach ihren Befindlichkeiten gegenüber der Politik befragen. Am 14. Oktober werden rund 360.000 Jugendliche und junge Leute zwischen 18 und 23 Jahren in Flandern zum ersten Mal an einer Wahl teilnehmen. Neben der Tatsache, dass sich viele der Angesprochenen nicht wirklich mit Politik auseinandersetzen überraschte doch die hohe Zahl derer, die nicht mehr glauben, dass die Demokratie noch die beste Form der Politik ist. 

Das Interesse an Politik scheint bei der „Jugend von heute“ nicht mehr besonders ausgeprägt zu sein, denn der Bildungsstand ist in dieser Hinsicht nicht besonders hoch. So konnten die wenigsten der Angesprochen Fragen zur Zusammenstellung z.B. der Mehrheit im Rathaus von Antwerpen richtig beantworten und Jugendliche aus einigen Gemeinden am Rande der Hafenstadt gingen davon aus, dass Bart De Wever (N-VA) ihr Bürgermeister sei…

Politisches Interesse, gesellschaftliches Engagement

Interessant ist hier auch, dass sich viele sogenannte „neue Flamen“, also Jugendliche aus Einwandererfamilien besser auskannten und dass sich aus diesem jungen Wählerkreis vergleichsweise mehr Menschen in der Gesellschaft engagieren, sprich in Parteien, bei Umweltorganisationen oder Menschenrechtsverbänden.

26 % der angesprochenen gaben an, dass sie einen autoritären Führer der Demokratie vorziehen würden, da sie die Demokratie nicht mehr für die beste Form der Politik halten. Bei Berufsschülern oder bei Jugendlichen mit Berufs- oder Handwerksausbildung lag dieser Wert sogar bei rund 50 %. 

Womit beschäftigen sich die Jung- und Erstwähler?

Wahlen an sich finden nur wenige flämische Jugendliche zwischen 18 und 23 Interessant. 57 % halten Wahlen für langweilig und nur 43 % sind der Ansicht, dass die spannend sind. Sogar 30 % derer, die angaben, sich für Politik zu interessieren, halten Wahlen für langweilig.

Das wichtigste politische oder gesellschaftliche Thema ist für die jungen Leute ganz klar die Umwelt. Dies ist ihnen wichtiger als Sicherheit oder Armutsbekämpfung, Themen, die auf den Rängen 2 und 3 folgen. Welche Partei sich aber für Umweltbelange in Flandern einsetzt, war einem Drittel der Angesprochenen nicht bekannt. 

Wahlverhalten

Den flämischen Erstwählern ist nicht wichtig, wie ihre Eltern wählen. Davon lassen sie sich wenn überhaupt auch nur bedingt beeinflussen. Zwei Drittel der Angesprochenen wussten zum Zeitpunkt der Umfrage noch nicht, welche Parteien oder Politiker sie wählen werden. Je weniger Interesse an Politik vorhanden ist, je weniger sicher sind sie, wem wie ihre Stimme geben werden. 

Diese Umfrage führte das Forschungsbüro Indiville im Auftrag der VRT, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk des belgischen Bundeslandes Flandern, zwischen dem 4. Mai und dem 5. Juni 2018 durch, also lange bevor die Kommunal- und Provinzwahlen in den flämischen Medien ein großes Thema wurden. Indiville befragte eine repräsentative Gruppe von 868 jugendlichen Erstwählern zwischen 18 und 23 Jahren. Inzwischen, so zeigen aktuelle Umfragen, weiß jeder zweite Wähler in Flandern insgesamt, wem er seine Stimme geben wird.