Belgischer Zoll eröffnet einen “Brexit-Infopunkt” im Hafen von Zeebrügge

Im Hinblick auf den Brexit hat der belgische Zoll auf den Gelände des Hafens von Zeebrügge einen Infopunkt eröffnet, an dem sich z.B. Transportunternehmer oder auch Lastwagenfahrer über das informieren können, was sie möglicherweise erwartet, wenn Großbritannien am 29. März 2019 die Europäische Union verlässt. Ab dann werden sich alle Grenz- und Zollformalitäten wohl grundlegend ändern.

Während das belgische Finanzministerium davon ausgeht, dass große Unternehmen selbst Möglichkeiten haben, um sich juristisch über die Folgen des Brexit zu informieren, ist der Zoll der Ansicht, dass vor allem kleineren Firmen unter die Arme gegriffen werden soll. Das hat auch Flanderns Ministerpräsident Geert Bourgeois (N-VA) verstanden.

Vor knapp einem Monat sagte er gegenüber der flämischen Wirtschaftszeitung De Tijd: „Ich besuche viele kleinere und mittelständische Unternehmen. Viele von ihnen fallen noch immer aus der Luft, wenn es um den Brexit geht. Sie begreifen noch nicht, was auf sie zukommt.“

„Ich besuche viele kleinere und mittelständische Unternehmen. Viele von ihnen fallen noch immer aus der Luft, wenn es um den Brexit geht. Sie begreifen noch nicht, was auf sie zukommt.“

Flanderns Ministerpräsident Geert Bourgeois

Nach Angaben der belgischen Finanzbehörden exportieren derzeit rund 18.000 Unternehmen ihre Produkte auch auf die britischen Inseln. Joachim Coens, CEO des Hafens von Zeebrügge, sagt dazu, dass vor allem kleinere Firmen, die vielleicht einen oder zwei Container pro Monat nach Großbritannien verschiffen, Sorgen bereiten. Solche Unternehmen seien derzeit erst recht nicht fähig, ihren britischen Kunden bei offenen Fragen zu helfen.

Das belgische Wirtschaftsministerium wartet seit dem Sommer mit einem „brexit impact scan“ auf, der Informationen über Zollpapiere, Kontrollen in Sachen Gesundheit und Tierschutz, Regulierungen für medizinische und chemische Produkte und Regeln zu Patenten und zum geistigen Eigentum bietet. 

Zeebrügge bietet direkte Informationen

Fast die Hälfte der Transporte, die vom Hafen von Zeebrügge ausgehen oder hier ankommen, sind Lieferungen von und nach Großbritannien. Zeebrügge schaut also genau hin, denn die Zukunft des Hafens hängt von Brexit ab. Und die Tatsache, dass Ein- und Ausfuhr nach dem Austritt der Briten aus der EU ungleich umfangreicher werden wird, stellt kleinere Firmen vor ungeahnte Probleme.

Der jetzt eröffnete Infopunkt im Hafen von Zeebrügge sieht vier Zollbeamten vor, die Fragen von kleineren Unternehmen oder LKW-Fahrern direkt beantworten. Insgesamt werden ab dem Brexit über 140 zusätzliche Zollbeamte im Hafen tätig sein. Belgiens Finanzministerium investiert in den kommenden Monaten rund 2,9 Mio. € in neue Scanner und andere moderne Infrastruktur für den Zoll in Zeebrügge.