Kommunalwahlen in Löwen - Gibt es ein Leben nach Louis Tobback?

Der Kommunalwahlkampf in Flandern anhand von fünf wichtigen Städten, je eine pro Provinz. Löwen (Leuven) in Flämisch-Brabant. Der flämische Sozialist Louis Tobback hat rund 25 Jahre lang als Bundes- und als Lokalpolitiker die Geschicke seiner Stadt mitbestimmt. Jetzt tritt der noch-amtierende Bürgermeister der Universitätsmetropole nicht mehr an. Wer wird ihn beerben? Auf jeden Fall ein Politiker jüngerer Generation.

25 Jahre lang kam niemand an Louis Tobback (Foto) und seiner SP.A nicht vorbei und auch nicht an dessen Überzeugung, eine Mehrheit mit den Christdemokraten CD&V zu bilden. Unter ihm lagen die Verhältnisse fest und heute scherzt man gerne an den langen Theken von Löwen, dass es im Oktober „zu den ersten freien Wahlen in der Stadt kommen wird“.

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Tobback, auch gerne „Bompa Lawijt“ genannt, frei übersetzt „Opa Krachmacher“, arbeitete stets mit einem grantigen vorlauten Ton, der eigentlich einem Oppositionspolitiker gut Gesicht stehen könnte, doch auch als Bürgermeister war gerne „gegen alles“.

Etwa seit 1995 übernahm u.a. durch Tobbacks sozialistisch-christdemokratischer Koalitionen die Politik die Geschicke der Stadt, die bis dahin an der Leine der Katholischen Universität geführt wurde. In der Zeit danach wurde Löwen moderner, zugänglicher und auch ein Ziel für Touristen aus aller Welt. 

Ohne die Katholische Universität geht hier nichts…

Doch auch die Uni (Foto) blieb und bleibt wichtig und zwar als Arbeitgeber und als Magnet für Unternehmen aller Art, bzw. Firmen, die den wissenschaftlichen Forschungen der Universität nahestehen: Hochtechnologie, Medizin, Pharmaindustrie… Unter den etwas mehr als 100.000 Einwohnern sind denn auch viele hochausgebildete Wissenschaftler aus aller Welt. Unter den zahllosen Studenten sowieso.

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Wer stellt sich dem Wähler?

Vier Amtszeiten liegen hinter Louis Tobback. Jetzt ist es an der Zeit, dass eine andere Generation das Ruder übernimmt. Das haben hier so ziemlich alle Parteien begriffen. So steht denn auch eine recht junge Auswahl an Spitzenkandidaten bereit, um die Nachfolge von „Bompa Lawijt“ im Rathaus von Löwen (Foto) zu übernehmen. Die SP.A hat mit dem in der Stadt sehr beliebten Sozialisten Mohamed Ridouani (38) einen recht jungen aber dennoch erfahrenen Mann an die Spitze der Liste gesetzt. Noch-Koalitionspartner CD&V hingegen tritt mit Carl Deviles (65) an. Der flämische Christdemokrat ist bereits seit 1994 erster Schöffe der Stadt.

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Herausforderer oder mögliche neue Koalitionspartner sind die Grünen (Groen) mit David Dessers (44) und die flämischen Nationaldemokraten N-VA mit dem Europaabgeordneten Lorin Parys (42). Die liberale Open VLD schickt den Lebemann und Weinbauern Rik Daems (58) ins Rennen, dem kürzlich verwehrt wurde, einen landschaftsgeschützten Park in ein Weingut umzuwandeln. Jüngste Spitzenkandidatin in Löwen ist die 30 Jahre alte Line De Witte von der linksextremen Arbeiterpartei PVDA. Der rechtsradikale Vlaams Belang setzt seit Jahren auf den „einsamen“ Hagen Govaerts (57).

Worum geht es in Löwen?

Eines der größten Probleme in Löwen ist der Wohnungsmarkt. Es hat zwar in der Vergangenheit viele Bauprojekte in der Universitätsstadt gegeben, doch diese betrafen eher luxuriösen Wohnraum. Selbst die Sozialwohnungen seien für Sozialschwache kaum zu bezahlen, lautet der Vorwurf der Opposition gegen die SP.A-CD&V-Mehrheit im Rathaus. Der Mietspiegel und die Immobilienpreise in Löwen sind die höchsten im gesamten belgischen Bundesland Flandern. Nicht zuletzt sind die kommunalen Finanzen in der Stadt durch die und nach den vielen Megaprojekten angespannt, was ebenfalls ein Wahlkampfthema ist.

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In Sachen Mobilität hat Löwen Nägel mit Köpfen gemacht. Die Autos wurden weitgehend aus der Stadt verbannt, was zu deutlich mehr Raum für Fußgänger und Radfahrer gesorgt hat. Zudem wurden einige Plätze in der Innenstadt umgebaut und sorgen für ein hohes Maß an freier Fläche. Hinzu kamen zwei neue Parks in Bahnhofsnähe und allerorten Radwege, was Löwen fast zum Münster Flanderns macht. Für den einen ideal, für den anderen störend am autofreien Löwen ist, dass permanent Busse der regionalen flämischen Verkehrsgesellschaft De Lijn durch das Zentrum brummen.