Ryanair schränkt die Rechte von Flugreisenden aus Belgien ein

Nach Meldungen der frankophonen Tageszeitungen La Dernière Heute und Le Soir hat der irische Billigflieger Ryanair vor einigen Tagen die Rechte von Flugreisenden, die ihre Flüge über das Internet von Belgien aus buchen, eingeschränkt. Dazu wurden zum Monatsanfang die allgemeinen Geschäftsbedingungen der Airline angepasst.

Kernpunkt der Änderungen in Sachen Fluggastrechte für belgische Kunden ist, dass bei eventuellen Klagen gegen Ryanair nur noch irische Gerichte zuständig sein sollen. Das bedeutet, dass sich von Flugausfällen betroffene Reisende, die ihren Flug z.B. online gebucht haben, einen irischen Anwalt suchen müssen, der sie vor Ort vertritt.

Da seit einiger Zeit auch bei Ryanair in Belgien ein Sozialkonflikt mit entsprechenden Streiks und annullierten Flügen tobt, kann man sich vorstellen, was da auf die Betroffenen zukommt.

Der belgische Verbraucherschutzbund Test Aankoop/Test Achats kritisiert diesen Vorgang aufs Schärfste. Diese Praxis sei eine „illegale Vorgehensweise“, sagte ein Sprecher des Verbandes gegenüber Le Soir. Test Aankoop prüft in jedem Fall gerichtliche Schritte gegen diesen „Angriff auf belgisches Recht“. 

Aussichtslose Klagen?

Weitere Kritiker dieser Anpassung gehen davon aus, dass Ryanair wohl vor hat, die Klagen der eigenen Kunden abzuwimmeln. Es könnte sein, dass nicht wenige Ryanair-Kunden, deren Flüge ohnehin nicht teuer waren, vor einem teuren Gerichtsverfahren im irischen Ausland schlicht und einfach zurückschrecken und die Sache auf sich beruhen lassen. Test Ankoop nennt das Ganze eine „organisierte Desinformation“ der Kunden von Ryanair.

Etienne Wéry, ein auf den Online-Handel spezialisierter belgischer Anwalt, sagte dazu gegenüber unseren frankophonen Rundfunkkollegen der RTBF hingegen, dass sich derart geprellte Ryanair-Kunden keine Sorgen zu machen brauchen: „Wenn sie als Verbraucher eine solche Antwort (auf eine Klage (A.d.R.)) erhalten, haben sie das Recht, sich in Belgien von einem belgischen Anwalt verteidigen zu lassen. Dieser wird die Klage in Belgien einreichen und ein Richter wird sich dem wohl anschließen.“