VRT-Reportage: Illegales „Buschfleisch“ aus Afrika auch in Brüssel zu haben

Eine Reportage aus unserem Hause lieferte Beweise dafür, dass illegal nach Belgien geschmuggeltes Fleisch von wilden Tieren aus Afrika in Brüssel leicht zu haben ist. Zudem gilt der Nationalflughafen in Zaventem als gängige Schmuggeldrehscheibe für dieses illegale und oft auch ungesunde Fleisch in Belgien. Eine VRT NWS-Reportage in der Sendereihe Pano deckt die entsprechenden Praktiken auf.

„Buschfleisch“ gilt auch in Kreisen von in Belgien lebenden Afrikanern als Delikatesse, doch dieses Fleisch sorgt gleich auf mehreren Ebenen für Probleme. Zum einen kommen einige dieser Fleischarten von Tieren, die auch in Afrika unter strengen Naturschutz gestellt wurden, wie z.B. bestimmte Affenarten oder seltene Antilopen. Zum anderen kann Fleisch von solchen Tieren, in erster Linie von Affen, auch für das Einschleppen von Krankheiten oder Seuchen sorgen - Stichwort Ebola.

Doch offenbar ist es ein Leichtes, solches Fleisch auf Märkten in Afrika, z.B. im Kongo zu erwerben und dieses dann im Gepäck über den Flughafen von Zaventem nach Belgien zu schmuggeln. VRT NWS-Kollege Stijn Vercruysse, einer unserer Afrikaspezialisten aus der Auslandsredaktion der TV-Nachrichten, ist dies gelungen und er dokumentierte dies mit versteckter Kamera.

Und zu allem Überfluss konnte Stijn über zwei afrikanische Belgier Affen- und Antilopenfleisch erwerben - mitten in Brüssel. Ort dieser ebenfalls mit versteckter Kamera gefilmter Kaufaktion war das Marongé-Viertel, ein kleines Viertel mit vielen afrikanischen Einwohnern und Geschäften in der Brüsseler Gemeinde Elsene.

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AP2004

Um ihrer Sache ganz sicher zu sein, schickte die Pano-Redaktion das in Matongé erworbene Fleisch, unter anderem das von einer Blauducker-Antilope, zum Königlich Belgischen Institut für Naturwissenschaften in Brüssel. Hier konnte per DNA-Analyse bestätigt werden, um welches Fleisch es sich dabei handelte.

Die Mitarbeiter dieses Instituts waren schockiert, denn der Blauducker steht unter strengem Naturschutz und fällt unter das Washingtoner Artenschutzabkommen. Auch der WWF, der belgische Tierschutzverband Gaia und andere Organisationen reagieren beunruhigt. 

Drehscheibe Zaventem

Der WWF geht davon aus, dass jährlich zwischen 100 und 150 Tonnen sogenanntes „Buschfleisch“ über Zaventem nach Europa geschmuggelt werden. Dieses Fleisch wird nicht nur in Belgien weiterverkauft, z.B. im Brüsseler Matongé-Viertel, sondern auch in andere europäische Länder weiter verfrachtet. In der Schweiz wurde wiederholt Krokodilfleisch und Fleisch von Gürteltieren beschlagnahmt. Herkunft? Länder in Zentral-Afrika. Drehscheibe? Brussels Airport in Zaventem…

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Jasper Jacobs

Zielgerichtete Kontrollen finden dort nur etwa einmal pro Monat statt und ab und zu führt der Zoll Stichproben durch. Letztes Jahr wurden so rund 2.000 Kg Fleisch entdeckt, doch nur ein Bruchteil davon war auch „Buschfleisch“. Und seit rund vier Jahren wurde gegen keinen einzigen Reisenden, bei dem Fleisch oder gar „Buschfleisch“ entdeckt wurde, Anklage erhoben… Da dieses Fleisch in Afrika kaum gekühlt, wohl aber geräuchert wird - auch dies oft in unzureichendem Maße, ist die Gefahr groß, dass damit auch Seuchen nach Europa eingeführt werden können. Ebola wird von Affen übertragen… Die Gesundheitsämter sind alarmiert.