Kaserne Dossin erhält originale „Handjes“-Backform aus Antwerpen als Schenkung

Die Holocaust-Gedenkstätte Kaserne Dossin in Mechelen (Provinz Antwerpen) hat eine sehr originelle Schenkung erhalten. Dabei handelt es sich um die originale Backform der berühmten Antwerpener „Handjes“, eine Keksform, die auch heute noch in der Hafenmetropole produziert wird und die nach wie vor reißenden Ansatz findet, auch bei den vielen Touristen, die die Stadt besuchen. 

Das Antwerpener „Handje“ (Foto) wurde 1934 von dem jüdischen Bäcker Jos Hakker, ein Niederländer, der in der Hafenmetropole eine Konditorei betrieb, erfunden. Das „Handje“ war damals eine Einsendung für einen Wettbewerb, den die Antwerpener Bäckergilde ausgerufen hatte. Die Stadt sollte eine eigene kulinarische Spezialität haben und zwar am besten eine aus dem Backgewerbe.

Jos Hacker nahm an dem Wettbewerb teil und berief sich mit seinem „Handje“ aus Sauerteig mit Mandeln auf eine Legende aus der Antwerpener Geschichte. Die kleine Hand bezieht sich nämlich auf die Legende des Riesen „Druon Antigoon“. Er forderte einen sehr hohen Zoll von den auf der Schelde vorbeifahrenden Schiffen. Denjenigen, die sich weigerten, diesen Zoll zu entrichten, wurde eine Hand abgehackt. Silvius Brabo (Denkmal Foto unten) forderte den Riesen zum Kampf heraus, tötete ihn und warf die abgehackte Hand des Riesen in den Fluss.

Flucht, Untergrund und Neuanfang

Als der Zweite Weltkrieg begann und die Nazis auch Antwerpen besetzten, schrieb sich Bäcker Hakker gemeinsam mit seiner Familie selbst ins sogenannte „Judenregister“ ein. Doch als ihm dort der Boden zu heiß wurde, wollte er sich mit seiner Familie in die Schweiz absetzen. Doch ein Denunziant verriet diesen Plan und Jos Hakker wurde noch in Antwerpen festgenommen und sollte über die Sammelstelle in der Kaserne Dossin deportiert werden.

Jos Hakker aber gelang die Flucht aus dem Deportationszug. Er schloss sich in Lüttich dem Widerstand an und verfasste unter anderem auch Beiträge für Untergrundzeitungen. Diese Beiträge erschienen übrigens auch in Buchform in mehreren Sprachen.

Nach dem Krieg kehrte Hakker wieder nach Antwerpen zurück und baute seine alte Bäckerei in der Provinciestraat wieder auf. Jetzt schenkte Jos Hakkers Enkelin Joyce (73) der Kaserne Dossin die originale Backform und einige originale Dosen, in denen die ersten „Handjes“ in den 1930er Jahren verkauft wurden. Mit persönlichen Gegenständen und Geschichten will die Gedenkstätte Opfer des Holocaust aus der Anonymität holen und damit die Neugierde bei Schulkindern und anderen Besuchern aus der Region wecken.