stad Genk

Kommunalwahlen in Genk: Ehemalige Bergbaustadt und wankendes multikulturelles Vorbild

Die frühere Bergbaustadt Genk hat das Ende der Kohleförderung weggesteckt, doch das Aus des Ford-Werks 2014 konnte nicht mehr gut verkraftet werden, was zur Verschärfung der Arbeitslosigkeit und der Armut führt(e). Mit einen hohen Anteil an Ausländern aus nicht EU-Ländern, 28 %, galt Genk lange als multikulturelle Vorzeigestadt, doch dieses Image wankt, denn die sozialen Spannungen machen auch vor dem Zusammenleben der einzelnen Gemeinschaften nicht halt.

Genk hat einen hohen Ausländeranteil, z.B. 28 % Nicht-EU-Bürger, wie vor allem Türken und Marokkaner, doch auch viele Italiener und Polen, die aus Bergarbeiterfamilien stammen und die längst Belgier sind, leben hier völlig integriert. Doch seit geraumer Zeit lassen sich Spannungen zwischen den Gemeinschaften spüren und der Riss durch die türkische Gemeinschaft - Kurden, AKP-Anhänger, Mitglieder anderer Bewegungen - schafft Konfliktpotential.

12,8 % Arbeitslosigkeit (das Doppelte des Durchschnitts im belgischen Bundesland Flandern) tut ein Übriges zur schlechten Stimmung. Auch heute noch dürften in der Stadt rund 30 % aller Kinder in Familien aufwachsen, die unterhalb der Armutsgrenze leben. In Sachen Wirtschaft und Arbeitslosigkeit strengt sich Genk über flämische, belgische und europäische Fördermaßnahmen durchaus an und einiges konnte bereits realisiert werden, wie neue Industrieansiedlungen auf dem ehemaligen Ford-Gelände und in der Nähe des Maas-Hafens.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Wohnungsbau und Bildung

Genk bietet eine für flämische Verhältnisse hohe Zahl an bezahlbaren Wohnungen - auch im Bereich sozialer Wohnungsbau - an und die Miet- und Immobilienpreise steigen hier langsamer als im Rest des Landes. Erfreulich ist hier, dass nur 14 % aller Schulkinder die Schule ohne Abschluss verlassen. Das liegt wohl daran, dass den meisten Familien hier bewusst ist, ohne Bildung kommt man hier nicht weiter oder gar weg. In Sachen Mobilität geht Genk übrigens als schlechtes Beispiel in Flandern voran. Rund 94 % aller Haushalte in der Zentrumsstadt verfügen über mindestens ein Auto, ein Spitzenwert im Land… Und das Wort „Fahrrad“ gilt hier noch als Fremdwort.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Soziale Spannungen

Den Wahlkampf in Genk bestimmen zwei Themen. Auf der einen Seite ist dies der Bereich Wirtschaft und Arbeit und auf der anderen Seite die sich zuspitzenden Spannungen zwischen Moslems und Nicht-Moslems bzw. innerhalb der großen türkischen Gemeinschaft in der Stadt.

Der langjährige Bürgermeister der Stadt, der flämische Christdemokrat Wim Dries (CD&V - Foto unten) muss immer häufiger feststellen, wie Rassismus in allen Richtungen und zwischen allen Gemeinschaften das Zusammenleben in Genk erschweren. Ihm zur Seite steht Koalitionspartner SP.A, die Sozialdemokraten.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Die flämischen Sozialisten gehen mit der Bundespolitikerin Meryame Kitir ins Rennen, die auf der einen Seite das oftmals intolerante Verhalten ihrer türkischen Landsleute kritisiert, aber andererseits verärgert darüber ist, dass die gesamte Moslemgemeinschaft durch das negative Verhalten einiger über einen Kamm geschoren wird.

Auch die flämischen Nationaldemokraten N-VA gehen mit einer türkischstämmigen Spitzenkandidatin in Genk ins Rennen und zwar mit der amtierenden belgischen Staatssekretärin für Chancengleichheit, der Kurdin Zuhal Demir (Foto unten).

Sie geht hart ins Gericht mit den von ihr sogenannten „Auswüchsen von Multikulti“, sprich der Gründung von Koranschulen und dem wachsenden Einfluss von islamistischen Bewegungen aus dem Ausland auf die Politik. Ob Demir und die N-VA aber genug gegen die CD&V-SP.A-Koalition im Genker Rathaus in der Hand haben, muss der Wähler am 14. Oktober entscheiden.