Flanderns Kulturerbe-Preis 2018 geht an die Schuhfabrik „Eperon d’Or“ in Izegem

Die ehemalige Schuhfabrik „Eperon d’Or“ im westflämischen Izegem ist ein Art-deco-Gebäude aus dem Jahr 1930. Heute beherbergt das historische Gebäude in der Nähe des Bahnhof von Izegem ein Bürsten- und Schuhmuseum, ein regionales Besucherzentrum und das „Haus der Wirtschaft“. Anno dazumal wurden hier Schuhe für das belgische Königshaus handgefertigt.

Der diesjährige flämische Denkmalschutzpreis, der heute Kulturerbe-Preis genannt wird, geht an die ehemalige Schuhfabrik „Eperon d’Or“, was so viel wie „Goldene Spore“ bedeutet. Dieses Art-deco-Gebäude von 1930 erhielt sowohl den Preis der Jury, als auch den Publikumspreis des Jahres 2018. Etwa 1.000 Personen hatten sich an der Wahl im Rahmen des Tages des offenen Denkmals beteiligt. Insgesamt standen 29 Projekte oder Objekte zur Auswahl.

Im Urteil der Jury hieß es dazu: „In diesem Projekt kommen alt und neu auf eine ausgeglichene Weise zusammen.“ Hier wurden Elemente mit hohem Erhaltungswert vorbildlich restauriert und mit zeitgenössischen Details ergänzt. Das Ganze macht das historische Bauwerk zu einem multifunktionalen Gebäude.

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Einer, der sich ganz besonders über diese Wahl gefreut hat, ist Flanderns Landeschef Geert Bourgeois (N-VA). Der Ministerpräsident kommt nämlich aus Izegem: „Ein prächtiges Projekt zur Neubestimmung eines Gebäudes, dass den Leuten auf eine zugängliche Art und Weise Kenntnis zur industriellen Vergangenheit der Region vermittelt.“ Bourgeois kann eine gewisse Verbundenheit mit diesem Projekt nicht verleugnen: „Mein eigener Großvater war Schuhmacher.“

„Mein eigener Großvater war Schuhmacher.“

Flanderns Ministerpräsident Geert Bourgeois (N-VA)

Das Gebäude „Eperon d’Or“ ist ein Entwurf des aus Izegem stammenden Architekten Charles Laloo für die Schuhfabrik Vandommele aus dem Jahr 1930. Bis in die 1940er Jahre hinein fertigten hier rund 200 ausgewiesene Facharbeiter Schuhe in Handarbeit. Diese Schuhe waren teuer und exklusiv.

Sie genossen international einen guten Ruf und Vandommele war Hoflieferant für das belgische Königshaus und das Großherzogtum Luxemburg, wie entsprechende Fresken auf dem Giebel belegen. Im Laufe der Jahre wurden aber auch hier Maschinen eingesetzt. 1967 aber musste das Werk schließen. Vandommele war der Konkurrenz aus Italien, wo die Löhne viel niedriger waren, nicht gewachsen.

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Nach der Schließung diente das Gebäude als Lager u.a. für Öl und Holz. Doch 1999 wurde das Hauptgebäude unter Denkmalschutz gestellt. 2005 erwarb die Stadt Izegem „Eperon d’Or“ und ab 2011 wurde die Art-deco-Schuhfabrik restauriert. Im vergangenen Jahr wurde das Gebäude feierlich neueröffnet und ist heute Museum, Besucherzentrum und Anlaufstelle für die lokale Wirtschaft gleichzeitig. Im November tagt dort übrigens ein internationaler Schuhkongress…