Knapp eine Woche vor den Kommunalwahlen: „Armut ist konkret!“

Nur wenige Tage vor den Kommunalwahlen in Belgien hat der Armutsverband „Decenniumdoelen“ eine Statistik zur Armut und der entsprechenden Chancenlosigkeit in 33 Städten und Gemeinden im belgischen Bundesland Flandern vorgelegt. Die betroffenen Kommunen zeigen im Vergleich zum flämischen Durchschnitt laut „Decenniumdoelen“ ein besorgniserregendes Bild.

Im Rahmen der Veröffentlichung „Lokaler Armutsbarometer“ spricht der Verband eine deutliche Sprache: „Wenn wir von Armut reden, dann reden wir von Armut in Europa, Belgien oder Flandern. Auf diese Weise wird Armut schnell zu etwas abstraktem, denn dann geht es um Prozente.“

Daran wollte der Armutsverband „Decenniumdoelen“ (frei übersetzt „10 Jahres-Ziele“) etwas ändern. Hier suchte man auf Basis der Armutsstatistiken des flämischen Familienbundes „Kind & Familie“ nach den Werten in 33 spezifisch analysierten Städten und Gemeinden.

Der Verband analysierte alle flämischen Zentrumsstädte, weitere große Gemeinden und Kommunen mit einer industriellen Vergangenheit. Ziel dieses Barometers: Lokalen Organisationen eine konkrete Basis zu bieten, um das Thema Armut in der Kommunalpolitik aufzuarbeiten.

Unter der Armutsgrenze

In der Liste der 33 analysierten Städte und Gemeinden sieht man, dass in den Kommunen Boom (Provinz Antwerpen), Oostende (Westflandern), Antwerpen, Genk (Limburg), Maasmechelen (Limburg) und Turnhout (Antwerpen) besonders schlechte Werte auffallen. Hier leben mehr als 25 % aller Kinder in Haushalten unter der Armutsgrenze, während der allgemeine flämische Durchschnitt bei 13,76 % liegt.

Dieser Durchschnitt verbirgt nach Ansicht von „Decenniumdoelen“, wie schlecht es um die Armut bei Kindern in Flandern wirklich bestellt ist: „Flanderns Armutsstatistiken sagen also nicht viel über das, was sich lokal abspielt.“

Nuance

Diese Zahlen sagen allerdings nichts über die konkrete Herangehensweise in den Städten und Gemeinden, so die Autoren der Analyse. Sie sollen vielmehr die Alarmglocken schrillen lassen und dafür sorgen, dass das Thema (Kinder)Armut auf lokaler Ebene nicht unterschätzt oder gar ignoriert wird.

„Decenniumdoelen“ ruft denn auch dazu auf, auf lokaler Ebene mehr Solidarität mit den sozial Schwächen an den Tag zu legen und eine entsprechend greifender Politik anzugehen. Konkret wird dabei die soziale Wohnungspolitik genannt, genauer der Mangel an bezahlbarem Wohnraum und auch die Bereiche Bildung und Integration. Nicht nur Einwanderer müssen in die Gesellschaft besser integriert werden, sondern auch jene Mitmenschen, die unter der Armutsgrenze leben (müssen)…