Premier Michel: „Deutschland wird Belgien dabei helfen, Stromausfälle zu vermeiden.“

Belgiens Premierminister Charles Michel (MR - Foto) sagte im Rahmen seiner Regierungserklärung am Montag im Parlament, dass Deutschland unserem Land dabei helfen werde, im kommenden Winter Stromausfälle zu vermeiden. Dies habe ihm Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einem Telefongespräch am Sonntag zugesagt.

Da im November nur einer der insgesamt sieben Kernreaktoren in Belgien am Netz sein wird, droht eventuell ein Stromengpass. Grund dafür ist, so Premier Michel, dass der Energieproduzent Engie Electrabel die Reparatur- und Unterhaltsarbeiten an den verschiedenen Meilern in den Atomkraftwerken Doel bei Antwerpen und Tihange in der Provinz Lüttich fast gleichzeitig gelegt hat - was allerdings auch an Pannen und an der aktuellen Feststellung von schwerwiegenden baulichen Problemen liegt.

In seinem „State of the Union” sagte Michel dazu gegenüber den Abgeordneten in der Ersten Kammer des belgischen Bundesparlaments, dass seine Regierung Engie Electrabel dafür die Rechnung vorlegen würde, wenn dadurch Mehrkosten für die Verbraucher entstünden.

„Ich hatte gestern ein Telefongespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Deutschland wird Belgien dabei helfen, einem Stromausfall in diesem Winter zuvorzukommen.“

Premierminister Charles Michel (MR)

Inzwischen arbeitet die Bundesregierung in Brüssel emsig daran, eventuelle Stromausfälle oder sogenannte „brown outs“ (lokale und zeitlich begrenzte Stromabschaltungen zum Energiesparen) zu vermeiden. In diesem Zusammenhang sagte Premier Michel, dass er am Sonntag dazu ein Telefongespräch mit Kanzlerin Merkel geführt habe. Die Kanzlerin habe ihm zugesagt, dass Deutschland Belgien Strom für den Import zur Verfügung stellen werde, so Michel.

„Wir müssen hieraus auch unsere Lektionen ziehen. Ein abrupter und improvisierten Ausstieg aus der Kernenergie, den einige verlangen, ist für uns keine Option.“, sagte Michel dazu in seinen Ausführungen. Er wolle den Atomausstieg nach den vereinbarten Plänen seiner Regierung beibehalten und schrittweise den Atomausstieg herbeiführen. Dabei werde er die Entwicklung im Auge behalten. 

„Wir müssen hieraus auch unsere Lektionen ziehen. Ein abrupter und improvisierten Ausstieg aus der Kernenergie, den einige verlangen, ist für uns keine Option.“

Premierminister Charles Michel (MR)

Auch aus Frankreich kam jetzt die Meldung, dass ausreichend Strom zur Verfügung stehe, um Belgien aus der Patsche zu helfen. Der französische Elektrizitäts-Netzverwalter RTE gab an, dass „zweifellos“ Energie für den belgischen Markt vorhanden sei - dies vor dem Hintergrund, dass der belgische Energieproduzent Engie Electrabel ein Tochterunternehmen des staatlichen französischen Mischkonzerns Engie ist.

Premier Michel gab an, dass sich die Bemühungen der Regierung, die Versorgungsprobleme bei Elektrizität zu lösen, lohnen: „Das Risiko für unsere Energiesicherheit in diesem Winter wird Tag für Tag geringer. Und wir führen diese Arbeit zusammen mit allen Akteuren weiter.“

„Jeder hat verstanden, dass sowohl die Regierung, aus auch die Verbraucher vor vollendete Tatsachen gestellt wurden. Das ist inakzeptabel.“

Premier Charles Michel (MR)

„Jeder hat verstanden, dass sowohl die Regierung, aus auch die Verbraucher vor vollendete Tatsachen gestellt wurden. Das ist inakzeptabel. Wir werden alle juristischen Möglichkeiten ausschöpfen, um die Rechte der Konsumenten zu verteidigen.“, sagte Premier Michel in Richtung Engie Electrabel. Er legte noch einmal Wert auf die Feststellung, dass alle Preisanstiege für Strom, die in Zusammenhang mit den Abschaltungen der Kernreaktoren entstehen, Engie Electrabel fakturiert würden.