Weniger als 25.000 Soldaten: Hat Belgiens Armee Personalprobleme?

Der belgischen Armee fehlen die Soldaten. Schon jetzt sind es weniger als 25.000 und in den kommenden Jahren könnten es sogar weniger als 22.000 sein. Dies geht aus internen Dokumenten hervor, die die VRT-Nachrichtenredaktion einsehen konnte. Die Zahlen belegen auch, dass die Zahl der Austritte junger aktiver Soldaten noch nie so hoch war wie in den letzten Jahren. Infolgedessen scheint die Armee in den kommenden Jahren ihre Kernaufgaben nicht richtig wahrnehmen zu können. 

Die belgische Regierung beschloss, dass die Streitkräfte mit 25.000 flexibel einsetzbaren Soldaten auskommen muss. Das soll laut Verteidigungsminister Steven Vandeput (N-VA) ausreichen, um alle innerbelgischen und internationalen Aufträge ausüben zu können.

Interne Statistiken des Verteidigungsministeriums belegen aber, dass die Truppenstärke mittlerweile schon unter 25.000 Soldaten gesunken ist, Tendenz weiter sinkend. In fünf Jahren sollen es demnach sogar weniger als 22.000 sein.

Schuld an der Entwicklung ist vor allem, dass in den vergangenen Jahren zu wenig Soldaten, die in Rente gingen, durch Nachwuchssoldaten ersetzt wurden. Andererseits gelingt es den Streitkräften immer schlechter Jungsoldaten zu binden. Viele quittieren schon nach wenigen Monaten oder Jahren den Dienst, weil der Beruf ihren Erwartungen nicht entspricht. Oft besetzen diese Jungsoldaten auch noch Schlüsselpositionen. Vergangenes Jahr kündigte fast 600 Soldaten, zwei Jahre zuvor taten dies nur fast 400.

Und es gibt auch immer weniger Bewerber. 2011 wurden noch fast 8.000 Nachwuchssoldaten registriert. Vergangenes Jahr waren es nur noch 4.372.

Situation wird kritisch

Ein hoher Offizier sagte der VRT, dass die Situation besonders kritisch geworden ist. "Die Zahl der Soldaten ist so gering, dass es fast unmöglich ist, Menschen zu ersetzen oder zu verlegen. Das sorgt sofort für eine Unterbesetzung in anderen Abteilungen." Der Führungsoffizier weist aber darauf hin, dass sich das Verteidigungsministerium des Problems bewusst ist. Die Rekrutierung geht schneller und es gibt Pilotprojekte, um mehr junge Menschen anzuwerben. "Vor allem die technischen Profile sind aber ein Problem."

Professor Alexander Mattelaer (VUB/Egmontinstitut) warnte Anfang des Jahres davor, dass die belgischen Streitkräfte Gefahr laufen, eine kritische Schwelle der Truppenstärke zu unterschreiten, was in Zukunft dazu führen könnte, dass sie nicht mehr alle notwendigen Aufgaben erfüllen können. Die Streitkräfte wären dann nicht mehr in der Lage ist, einer Reihe von innerbelgischen und auch internationalen Verpflichtungen nachzukommen. Wegen der schrumpfenden Zahl der Soldaten wird es sehr teuer, all veralteten Kasernen weiter zu betreiben. Fraglich bleibt, ob es noch genügend Personal geben wird, um alle teuren neuen militärischen Ausrüstungen zu bemannen und zu warten.

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