Fußballskandal in Belgien: KV Mechelen und der „Kampf“ um den Klassenerhalt

Am Ende der Fußballsaison 2017-2018 in der ersten belgischen Fußball-Liga, der sogenannten „Jupiler Liga“, stand es um den KV Mechelen schlecht. Es drohte der Abstieg und was spielerisch nicht gelingen wollte, sollte wohl künstlich klappen. Dies wird zumindest in der belgischen Öffentlichkeit suggeriert, seit im Umfeld des Traditionsvereins mehrere Personen wegen mutmaßlichem Matchfixing festgenommen worden sind. Die Justiz sorgte jetzt für Deutlichkeit.

In Zusammenhang mit mutmaßlichem Matchfixing in der ersten Liga sind im Umfeld von KV Mechelen am Mittwoch gleich mehrere Personen festgenommen worden. Dabei handelt es sich um Thierry Steemans und die beiden für sportliche Belange verantwortlichen Funktionäre Olivier Somers und Stefaan Vanroy sowie um inzwischen drei Sportjournalisten. Dazu gehört auch die Festnahme von zwei eigentlich hoch angesehenen Schiedsrichtern aus der ersten Liga, nämlich um die beiden belgischen Topschiedsrichter Sébastien Delferière und Bart Vertenten und weitere Beteiligte.

Unerhörte Kontakte

Die beiden Unparteiischen hatten enge und mehr als nur freundschaftliche Kontakte zu den ebenfalls festgenommenen Spielermaklern Mogi Bayat und Dejan Veljkovic. Und genau diesem wird vorgeworfen, die Schiedsrichter dazu gebracht zu haben, beim Versuch des KV Mechelen, die Klasse zu halten, behilflich zu sein. Dies hatten die Ermittler der Bundesstaatsanwaltschaft Hasselt (Prov.Limburg) erfahren, als sie in anderen Zusammenhängen (Geldwäsche, Steuerhinterziehung…) Telefongespräche von Bayat und Veljkovic abhörten.

Nach Meldungen gleich mehrerer flämischer Medien waren die Gegenleistungen vielfältig. Veljkovic soll bei einem Autohändler dafür gesorgt haben, dass Delfrière Rabatte beim Kauf eines Neuwagens erhält, was der entsprechende Händler gegenüber VRT NWS am Donnerstagmittag auch mehr oder weniger bestätigt hatte, auch wenn er sagte, er habe nicht gewusst, warum sein Kunde einen Nachlass bekommen sollte… Der Spielermakler soll zudem Geld in die Fußballschule von Schiedsrichter Sébastien Delferière gesteckt haben. Mit Bart Vertenten solle es noch einfacher gewesen sein. Er soll mit Dejan Veljkovic durch Bars und Restaurants gezogen sein… Ganz nebenbei beschlagnahmte die Polizei bei ihren Razzien auch edle Uhren, Schmuck und Bargeld - angeblich für Millionenwerte. 

Hat wohl nicht geklappt

Doch „Malinwa“ drohte weiter der Abstieg, denn die „Mitarbeit“ der Schiedsrichter brachte nicht das erwünschte Resultat. So soll es kurz vor dem letzten Spieltag von Seiten einiger der oben genannten KV-Vereinsfunktionären und anderen Mitspielern, wie vermutlich auch den Maklern Bayat und Veljkovic, zu „Gesprächen“ mit Spielern von zwei Mannschaften gekommen sein.

In der Nacht vor diesem ominösen letzten Spieltag sollen Spieler  von Waasland-Beveren und von AS Eupen angesprochen worden sein, ob sie nicht zu Gunsten von „Malinwa“ ein bisschen am Spiel drehen könnten. Waasland war damals der Gegner von Mechelen und Eupen musste gegen Excel Mouscron antreten.

Den Spielern wurden u.a. Verträge bei KV Mechelen angeboten, wie einige Personen aus dem AS-Umfeld im Nachhinein bezeugten. Offenbar sind Waasland-Beveren-Spieler darauf eingegangen, denn am Donnerstag war die Rede davon, dass ein Spieler von der Polizei vorgeladen worden sei. Auch Waasland-Präsident Dirk Huyck wurde am Donnerstag festgenommen.

Anschuldigungen

Die AS Eupen gewann damals mit 4:0 gegen Mouscron und konnte somit die Klasse halten. KV Mechelen stieg damals ab, trotz 2:0-Sieg gegen Waasland Beveren. Hier kommen die drei verhafteten Journalisten ins Spiel. Sie hatten damals mehrmals verabredet geschrieben, dass die Mechelen-Begegnungen in Ordnung waren, dass keine Zweifel möglich seien usw. Sie sollten damals die öffentliche Meinung zu Gunsten von KV Mechelen beeinflussen.

Kurioserweise wurde damals ausgerechnet von Seiten „Malinwas“ behauptet, an dem für die AS Eupen rettenden 4:0-Sieg über Mouscron sei etwas faul gewesen, was die betroffenen Journalisten durch ihre Berichterstattung ebenfalls suggerieren ließen. Offenbar ist in diesem Zusammenhang aber auch das Spiel AS Eupen gegen Antwerp am Ende der Saison verdächtig. 

Vorläufiges Fazit

Bei diesem umfassenden Skandal im Oberhaus des belgischen Fußballs handelt es sich um zwei Vorgänge, bei denen einige Beteiligte mit beiden Fällen zu tun haben. Laut Bundesstaatsanwaltschaft wird zum einen wegen Geldwäsche, Steuerhinterziehung, illegalen Kommissionen in Millionenhöhe und anderes mehr ermittelt.

Zum anderen geht es aber auch um „Hinweise auf private Korruption in Sachen Abstiegskampf bei KV Mechelen. Makler Dejan Velkjovic ist an beiden Vorgängen beteiligt. Dabei kam die „Causa“ Mechelen durch das Abhören von Telefongesprächen zwischen Verdächtigen wohl eher nebenbei zutage.

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