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Kernphysiker Frank Hardeman neuer Leiter der belgischen Atomaufsichtsbehörde FANC

Am Mittwoch stellte die belgische Bundesagentur für Nuklearkontrolle (FANC) ihren neuen Leiter vor. Dabei handelt es sich um den 57 Jahre alten Kernphysiker Frank Hardeman. Hardeman wird dieser Einrichtung in den kommenden sechs Jahren vorstehen. Eigentlich hatte er dieses Amt bereits Anfang Mai Übernommen, doch er wollte die FANC zuerst von innen besser kennenlernen, bevor er sich der Öffentlichkeit stellte.

Hardeman ist bereits seit den 1980er Jahren im belgischen Nuklearsektor aktiv - zunächst als Wissenschaftler und danach als Mitarbeiter bei der Forschungsanstalt für Kernenergie (SCK) in Mol (Prov. Antwerpen). Bis zu seinem Wechsel zur FANC war er bei der SCK beigeordneter Generaldirektor. In dieser Funktion hatte er die Leitung über rund 700 Mitarbeiter und über bis zu 70 wissenschaftlichen Doktoranten inne.

Im Gegensatz zu seinen beiden Vorgängern bei belgischen Bundesagentur für Nuklearkontrolle (FANC) hat Frank Hardeman kein „Vorleben“ beim belgischen Energiegiganten Electrabel…

Nur kurze Zeit nach seiner Amtsübernahme wird Frank Hardeman mit der wohl schwersten Krise im belgischen Nuklear- und Elektrizitätssektor konfrontiert. In einigen Tagen sind sechs der insgesamt sieben Kernreaktoren in Belgien wegen dringenden Reparatur- oder Unterhaltsarbeiten abgeschaltet. Dies kann in den Wintermonaten zu einem Stromengpass führen.

In diesem Zusammenhang sagte Frank Hardeman gegenüber den Medien, dass man die Probleme von verrottendem Stahlbeton an vier Reaktorgebäuden besser im Auge hätte behalten sollen, doch sei die Sicherheit niemals in Gefahr gewesen.

Sein Institut richtete seine Kontrollaufmerksamkeit in erster Linie auf essentielle und sensible Bereiche in den Reaktoren selbst. Das betrifft die Reaktor-Ummantelungen, Pumpen, das Kühlsystem und ähnliches. Dazu gehören aber nicht die Nebengebäude, in denen die zweiten Sicherheitssysteme untergebracht seien, so Hardeman. 

Ständig auf der Höhe der Problematik

Die FANC ließ sich allerdings ständig vom Zustand der betroffenen Betondecken unterrichten und noch bis zum Jahreswechsel sei man davon ausgegangen, dass diese Gebäude z.B. ein Einschlag eines abstürzenden Flugzeugs standhalten würden.

Doch Ende 2017 habe Betreiber Engie Electrabel einen verschnellten Verfall der Betonelemente am Meiler Doel 3 gemeldet. Auf Grund dessen habe seine Behörde eine Überprüfung der in gleicher Bauweise entstandenen entsprechenden Gebäude an den anderen Meilern angekündigt und diese brachten die gleichen Probleme zutage.

Frank Hardeman erinnerte mit Nachdruck daran, dass die Sicherheit der Nuklearanlagen für die FANC absolute Priorität habe und dass seine Behörde völlig unabhängig von Verwaltungen, Ministerien oder dem kommerziellen Energiesektor sei.

Über die Versorgungssicherheit mit Elektrizität wollte sich weder die FANC selbst oder deren neuer Leiter Frank Hardeman aussprechen. Hier gehe es nur um Sicherheitsfragen, hieß es dazu. Und im Fachbereich Sicherheit werde die FANC in Zukunft schneller und transparenter kommunizieren, so der neue Leiter abschließend. 

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