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Mechelen: Der „beste Bürgermeister der Welt” will im Amt bleiben

Seit 18 Jahren drückt der flämische Liberale Bart Somers (Open VLD) seiner Stadt Mechelen in der Provinz Antwerpen seinen Stempel auf. Somers gelang, was keinem anderen gelang. Er sorgte dafür, dass seine heruntergekommene und als besonders unsichere Stadt zu einem Vorbild von Kommunalpolitik wurde. Mechelen ist heute sauber, sicher, attraktiv und immer einen Besuch wert. Wer will einem solchen Bürgermeister und seiner blau-grünen Liste mit unabhängigen Kandidaten das Wasser reichen? 

Umfragen zufolge haben mehr als die Hälfte der knapp 85.600 Einwohner von Mechelen Vertrauen in ihre Stadtverwaltung und in ihren Stadtrat und 81 % der Bürger geben an, stolz auf ihre Stadt zu sein. Hier kann in Flandern lediglich Brügge mit einem besseren Wert aufwarten. Gemeinsam mit Brügge ist Mechelen nachweislich die sauberste Stadt Flanderns und neben Gent und Löwen sind die Einwohner gegenüber Einwanderern und andere Kulturen am offensten.

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Bart Somers (Foto oben), wurde 2016 mit der Auszeichnung "World Mayor" bedacht. Mit dem Preis werden Bürgermeister ausgezeichnet, die sich um ihre Gemeinde besonders verdient gemacht haben. Nach Ansicht der Stiftung "City Mayors Foundation" in London, die den Preis seit 2004 alle zwei Jahre vergibt, hat sich Somers besonders um die Integration verdient gemacht.

Nicht alles was glänzt, ist auch Gold…

Mechelen ist zwar unter Bart Somers zu einer weltweit hochangesehenen Stadt geworden, wobei sicher auch Somers‘ Buch „Zusammen leben“ (C.H.Beck-Verlag) beigetragen hat. Doch der Erfolg hat auch seine Schattenseiten. Die hohen Investitionen der Stadt haben für eine ansehnliche Verschuldung gesorgt. Pro Kopf steht jeder Bürger in Mechelen 2.940 € rot in der Kreide… Das ist der dritthöchste Wert in Flandern und die Landesregierung hat Somers und seiner Mehrheit bereits mehrmals dementsprechend auf die Finger geklopft.

Recht hoch ist mittlerweile auch der Preis fürs Wohnen in Mechelen. Die Stadt ist wieder attraktiv und viele wollen hierher ziehen. Das macht sich auch auf Ebene des Miet- und Immobilienspiegels sichtbar. In den vergangenen 10 Jahren stieg der Preis für ein durchschnittliches Wohnhaus um 52 % und für ein Appartement sogar um 67,8 %. Exzesse in dieser Hinsicht blieben bisher aber aus. Der Anteil an Sozialwohnungen liegt in Mechelen derzeit bei rund 8,4 %, knapp unter dem flämischen Durchschnitt.

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Interessant im Zusammenhang mit der Kommunalwahl in Mechelen ist die jüngst wieder aufgeflammte Debatte über das Kopftuch bei moslemischen Frauen. In einer VRT-Debatte wurde deutlich, dass die N-VA Mitarbeiterinnen der lokalen öffentlichen Dienste, die ein Kopftuch tragen, ablehnt. Die liberale Open VLD von Bürgermeister Somers jedoch hat damit kein Problem, denn dies spiegele die Zusammensetzung der Gesellschaft innerhalb der Stadt wieder. Zur Erinnerung: Beide Parteien sitzen in der „Stadslijst“ gemeinsam in der Mehrheit.

Zukunft

Die Mehrheitsliste VLD-Groen-M+ hat große Pläne. So soll Mechelen zur „Flämischen Fahrradstadt“ werden und für die kommenden 12 Jahre sind 16 Projekte vorgesehen, mit denen die Stadt umweltfreundlicher und grüner werden soll. Zudem sollen Viertel mit Sozialwohnungen modernisiert werden. Nicht zuletzt ist nach dem Vorbild Löwen-Brüssel eine Art Fahrrad-Autobahn von Mechelen nach Antwerpen geplant. Die Ambitionen sind also groß.

Die Herausforderer

Gegner werfen Bart Somers und seinem Parteienverbund vor, zu populistisch zu agieren und sich zu oft den Marschweg von der N-VA zeigen zu lassen. Die wohl wichtigsten Herausforderer sind augenscheinlich sie flämischen Sozialisten SP.A, die mit ihrer ehemaligen Parteivorsitzenden, der langjährigen Landes- und Bundespolitikerin Caroline Gennez (Foto).

Gennez wirft Somers vor, nicht ausreichend in die Menschen, in Mobilität und in Dienstleistung zu investieren. Zudem sei die Armut in Mechelen weiter recht hoch, was auch mit hohen Gemeindesteuern und anderen Abgaben zu tun habe, sowie mit dem zu hohen Mietspiegel.

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Ein weiteres Problem, dass die Opposition und die Herausforderer oft ansprechen ist die Tatsache, dass das Polizeikorps von Mechelen des Öfteren durch Rassismus aufgefallen ist. So haben z.B. Polizisten, die ausländische Wurzeln haben, mit ihren Kollegen kein leichtes Spiel. SP.A-Spitzenkandidatin Gennez wirft Somers denn auch vor, dass die Polizei kein Spiegelbild der Gesellschaft in Mechelen sei?

Gegen die Stadtliste von Bart Somers tritt für die flämischen Nationaldemokraten Freya Perdaens an, für die christdemokratische CD&V Wim Soons, für den rechten Vlaams Belang Fraank Creylman und für die linke Arbeiterpartei PVDA Dirk Tuypens. Hier lautet die Frage, ob VLD-Groen-M+ am Ruder bleibt oder ob andere Koalitionen möglich sind. 

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