Flämische Parteien im Überblick: Was ist der Einsatz der Parteien bei diesen Kommunalwahlen?

Das Ziel aller Parteien am 14. Oktober ist klar: Ihre lokale Machtgrundlage ausbauen, behalten oder verstärken. Denn: Die lokalen Erfolge sind bekanntlich ein Rückrat für die nationale Politik.

CD&V: Der Spielverderber?

Die größte Partei auf lokaler Ebene ist noch immer die flämische christdemokratische Partei CD&V.  Auf flämischer Ebene ist das jedoch schon lange nicht mehr der Fall. Die CD&V regiert in 217 Gemeinden mit, das heißt, in mehr als zwei von drei Gemeinden. In 51 Gemeinden hat sie die absolute Mehrheit. 137 Bürgermeister gehören den flämischen Christdemokraten an. Die CD&V ist über ganz Flandern verteilt. Sie regiert keine großen Städte, sondern kleinere wie Roeselare, Hasselt und Genk. In Antwerpen und Gent ist die CD&V nur eine kleine Partei. Dennoch hofft die CD&V, in dieser Rolle zum Spielverderber werden zu können.

Open VLD: Wird De Clercq Bürgermeister in Gent?

Die flämische liberale Partei Open VLD ist die zweitgrößte Partei auf lokaler Ebene, aber nur die dritte Partei auf flämischer Ebene. Die flämischen Liberalen sitzen in 136 Gemeindeverwaltungen und stellen 70 Bürgermeister. Der wohl bekannteste liberale flämische Bürgermeister ist Bart Somers in Mechelen. Die Open VLD hat vor allem in der traditionell liberalen Provinz Ostflandern viele Anhänger. In der Stadt Antwerpen ist die Open VLD die kleinste Partei mit gerade einmal zwei Sitzen. Trotzdem regieren sie in Antwerpen mit. Das ist auch der Fall in Gent. Dort will der Listenführer Mathias De Clercq Bürgermeister werden.

N-VA: Wird die N-VA auch die größte Partei in der Lokalpolitik?

Die flämischen Regionalisten von der N-VA sind drittgrößte Partei auf lokaler Ebene. Die N-VA ist allerdings die größte Partei von Flandern. Die Partei sitzt in 114 Gemeindeverwaltungen und stellt 47 Bürgermeister. Der bekannteste N-VA-Bürgermeister ist Bart De Wever in Antwerpen. Doch auch im Umland der Scheldestadt hat die N-VA viele Anhänger. Die N-VA stellt inzwischen sogar die erste Bürgermeisterin mit ausländischen Wurzeln, Nadia Sminate. Sie ist Bürgermeisterin von Londerzeel. Der Einsatz der N-VA ist eindeutig: Ihre führende Rolle in Flandern auch auf lokaler Ebene auszubauen und zu versuchen, weiterhin das Zepter im Antwerpener Rathaus in Händen zu halten.

SP.A: Eine Großstadt-Partei?

Die flämischen Sozialdemokraten von der SP.A liegen auf Platz vier. Sie sitzen in 116 Gemeindeverwaltungen und stellen 23 Bürgermeister. Die Partei ist auf dem Land recht schwach, hat aber mehrere Städte fest im Griff: Ostende, Brügge, Vilvoorde, Löwen und insbesondere Gent. Dort hat die SP.A in einem Kartell mit den Grünen Groen jetzt die absolute Mehrheit. Bleibt die Frage, ob die SP.A Gent halten kann, denn der amtierende SP.A-Bürgermeister Termont hört auf. Die SP.A würde auch gerne Antwerpen wiedererobern, doch die Partei hat dort viele Probleme. So scheiterte das Kartell mit den Grünen. Der lokale Parteivorsitzende wird scharf kritisiert und die Listenführerin ist kein Parteimitglied. In Hasselt hat die SP.A das Bürgermeisteramt in der laufenden Legislatur an die CD&V abgeben müssen.

Groen, Vlaams Belang und PVDA?

Die flämischen Grünen von Groen regieren in 54 Gemeinden mit und sie stellen zwei Bürgermeister, in Kruibeke und Zwijndrecht.

Der rechtsextreme Vlaams Belang regiert in keiner Kommune mit. Der Grund hierfür ist der so genannte „Cordon sanitaire“ (eine Art Block aller anderen Parteien gegen extrem rechts). Den Cordon sanitaire gibt es nicht für die linksextreme Partei PVDA, die im Antwerpener Stadtteil Borgerhout mitregiert.

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