Kommunalwahlen 2018 in Flandern: Gewinner und Verlierer

Die Kommunal- und Provinzialwahlen 2018 sind gelaufen und, wie gewohnt, haben nach Auszählung aller Stimmen wieder alle gewonnen. In den meisten Fällen mag das im belgischen Bundesland Flandern wohl stimmen, doch in der Endabrechnung liegen die Feinheiten. Der Versuch einer ersten Analyse.

In Flandern gehen ziemlich eindeutig die flämischen Sozialdemokraten der SP.A als Verlierer aus diesem Wahlgang hinaus. Sie bleiben zwar in den beiden Städten Löwen (Leuven) und Vilvoorde, beide in Flämisch-Brabant, die größte Partei, doch in anderen wichtigen oder gar symbolträchtigen Städten hatten sie das Nachsehen und müssen mit Stimmen- und Sitzverlusten klein beigeben. In Antwerpen kamen weniger Stimmen zusammen als erhofft und erwartet. In Gent könnte ein Liberaler Bürgermeister werden. Brügge ging an die Christdemokraten verloren. In den symbolträchtigen Städten Genk, Hasselt und Lommel in der früheren Bergbauprovinz sind die Resultate rundweg enttäuschend.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Und in Ostende, der Heimatstadt des SP.A-Parteivorsitzenden John Crombez (Foto oben), drohen auch die Liberalen an der Rathaustüre. Das wirft natürlich einen Schatten auf die für Mai 2019 anstehenden Parlaments- und Regionalwahlen. Kann sich eine derart angeschlagene Partei leisten, so kurz davor den Vorsitzenden auszutauschen? Kann sie es sich leisten, mit einem derart angeschlagenen Vorsitzenden in eine so wichtige Wahl zu ziehen? Diese Frage beschäftigt die Partei spätestens seit definitiver Auszählung der Stimmen in Städten und Gemeinden in den späten Sonntagabendstunden. 

Die Gewinner

Zu den eindeutigen Gewinnern dieser Kommunalwahlen gehört zweifellos der rechtsradikale Vlaams Belang. Deren Vorsitzender rief denn auch am Sonntagabend aus: „Vlaams Belang is back!“ In vielen Ortschaften konnten die Rechten zulegen, doch die Hoffnung, den Nationaldemokraten der N-VA viele Stimmen am rechten Rand abzuluchsen, ist so nicht ganz gelungen. Zum Beispiel in Antwerpen kam Vlaams Belang wieder nicht über die angepeilte 10 %-Marke. Doch kommunalgesehen konnte die Partei nicht wirklich mit ihrer Anti-Migrationshaltung punkten.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

NICOLAS MAETERLINCK

Das wird bei den Parlaments- und Regionalwahlen im kommenden Jahr wohl etwas anders aussehen, denn dabei kann man mit diesem Thema sehr wohl Stimmen fangen. Sicher ist aber auch, dass der Vlaams Belang nirgendwo verloren hat. Und in Ninove in Ostflandern hat der lokale Vlaams Belang-Ableger „Forza Ninove“ von Spitzenkandidat Guy D’haeseleer (Foto oben) mehr als die von ihm erwarteten 30 % der Stimmen erreicht. Das kann dafür sorgen, dass der sogenannte „Cordon Sanitaire“, der demokratische „Isolationsgürtel“ rund um Vlaams Belang, hier zum ersten Mal gebrochen wird. Auf jeden Fall gab ihm die in Ninove wohl scheidende Bürgermeisterin Tania De Jonge (Open VLD) den Auftrag, Sondierungsgespräche für die Bildung einer Koalition aufzunehmen.

(Lesen SIe bitte unter dem Foto weiter)

Die anderen Gewinner sind in Flandern zweifellos die Grünen von Groen. In vielen Städten und Gemeinden klettern sie auf über 20 % der Stimmen und in Antwerpen konnten sie ihr Potential verdoppeln. Allerdings verfehlte Spitzenkandidat Wouter Van Besien (Foto oben) sein Ziel, Bürgermeister zu werden, bei weitem. Und in Gent muss des dortige Kartell aus Rot und Grün ebenfalls klein beigeben. Dort übernimmt wohl Koalitionspartner Open VLD das Bürgermeisteramt von Rot-Grün. Verloren hat Groen in Flandern so gut wie nirgendwo. 

Weitere Nachrichten