Meiler vom Netz: Belgische Ministerin schließt Kooperationsabkommen mit Deutschland

Die belgische Energieministerin Marie Christine Marghem (MR) hat am Dienstag in Berlin mit dem deutschen Bundesminister für Energie, Peter Altmaier (CDU), ein Kooperationsabkommen geschlossen. Ziel ist,  mögliche Strom-Engpässe im kommenden Winter in Belgien zu überbrücken. Das hat eine Sprecherin des Miniseriums bestätigt.

Derzeit ist in Belgien nur ein Atommeiler am Netz. Alle anderen liegen wegen Unterhaltsarbeiten oder aufgrund von Mängeln still.  Dadurch kann es im Winter oder gar schon im Herbst zu Engpässen bei der Stromversorgung kommen.  Damit wir nicht alle irgendwann im Dunkeln sitzen, plant die Regierung zusätzliche Energielieferungen aus dem Ausland ein, aber auch eine Ausweitung der Kapazität von Gaskraftwerken und die Abschaltung von großen industriellen Verbrauchern zu Spitzenzeiten.

Ministerin Marghem ist nun nach Berlin gereist, um mit Deutschland ein Kooperationsabkommen zu schließen, damit sie, wann immer es nötig wird, Strom aus Deutschland einführen kann.

Erst letzte Woche hatte Premier Charles Michel in seiner Regierungserklärung vor der Kammer angekündigt, dass die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel den Belgiern aus der Patsche helfen wolle und eine Kooperation bei der Stromzufuhr versichert habe.

Auch der deutsche Übertragungsnetzbetreiber Amprion arbeitet an einer Lösung zur Vermeidung von Belgiens möglichem Strom-Engpass in diesem Winter. "Wir werden alle Möglichkeiten in Erwägung ziehen, um einen höchstmöglichen Export nach Belgien zuzulassen", heißt es bei Amprion. 

Eine direkte Verbindung zwischen dem deutschen und belgischen Hochspannungsnetz gibt es noch nicht. Der belgische Übertragungsnetzbetreiber Elia arbeitet jedoch an einer solchen Einrichtung, die 2020 fertig werden soll. Der Import aus Deutschland wird also über die Niederlande und Frankreich erfolgen.

Keine direkte Trasse zu Belgien

Nach dem Treffen mit Merghem sagte der deutsche Minister Altmaier, dass die Lichter in Belgien nicht aufgrund eines Strom-Engpasses ausgehen dürften. Deutschland werde die Energiekooperation mit Belgien verstärken. Es verstehe sich von selbst, dass Deutschland und andere europäische Nachbarländer Belgien aushelfen würden.

Da es derzeit jedoch keine direkten Trassen für die Versorgung mit Energie von Deutschland nach Belgien gebe, würden auch Gespräche mit den Niederlanden, Frankreich, Luxemburg und der Europäischen Kommission stattfinden, so Altmaier. Deutschland, Frankreich und die Niederlande verfügten über ausreichend Strom, um Belgien auszuhelfen.

Ministerin Marie-Christine Marghem

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