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Über eine halbe Million Flamen nutzten ihr Wahlrecht nicht und andere Zahlen

In Belgien gilt auf der einen Seite die Wahlpflicht, auf der anderen Seite aber ist das Wahlrecht eine demokratische Möglichkeit, seine Stimme zu nutzen. Doch genau 538.189 wahlberechtigte Bürger im belgischen Bundesland Flandern nutzten diese Möglichkeit nicht. Diese und andere Zahlen nach den Kommunal- und Provinzialwahlen zeigen ein interessantes Bild von Demokratie und Gesellschaft in Belgien.

Das rund eine halbe Million Flamen ihr demokratisches Recht zu wählen nicht genutzt haben, lässt doch so manchen Politiker aufhorchen.

Die 538.189 wahlberechtigte Bürger in Flandern, die dies ignorierten, sind entweder gar nicht erst zur Wahl erschienen, gaben einen unausgefüllten Wahlzettel oder eine nicht genutzte Wahlkarte ab oder aber, sie sorgten auf die eine oder andere Art und Weise dafür, dass ihre Stimme ungültig war, wie das belgische Innenministerium dazu bekanntgab.

Positiv ist aber, dass knapp 4,87 Mio. Flamen sehr wohl eine gültige Stimme einbrachten. Das entspricht einer aktiven Wahlbeteiligung von 92,6 %. Die Wahlbeteiligung stieg im Vergleich mit den letzten Kommunal- und Provinzialwahlen im belgischen Bundesland Flandern um genau 1 %.

Andere interessante Zahlen

Alleine in Flandern sind 38,4 % aller Gewählten in den Gemeinderäten Frauen, was einem Anstieg um mehr als 2 % entspricht. Genau 2.840 Frauen ziehen demnach in die neuen Gemeinde- oder Provinzräte ein.

In der Region Brüssel-Hauptstadt wurden bei diesem Wahlgang so viele niederländisch-sprachige Kandidaten in einen der insgesamt 19 Gemeinderäte gewählt, wie seit 40 Jahren nicht mehr. Das bedeutet, dass insgesamt 12,5 % aller Gemeinderatsmitglieder in der Hauptstadtregion Brüsseler Flamen sind.

Ähnlich hoch war dieser Wert zum letzten Mal im Jahr 1976. Im Vergleich zu den letzten Kommunalwahlen in Brüssel stieg die Zahl der niederländisch-sprachigen Kommunalratsmitglieder von 78 auf 90. Dazu beigetragen haben offenbar die Grünen, die überall mit zweisprachigen Ecolo/Groen-Listen angetreten waren.

In den 13 flämischen Zentrumsstädten Aalst, Antwerpen, Brügge, Genk, Gent, Hasselt, Kortrijk, Löwen (Leuven), Mechelen, Otende, Roeselare, Sint-Niklaas und Turnhout ist die Zahl der gewählten Kandidaten mit Migrationshintergrund deutlich angestiegen. Knapp jedes 10. Mitglied eines der neuen Stadträte hat somit ausländische Wurzeln.

Im limburgischen Genk hat jeder dritte Gewählte einen Migrationshintergrund. Hinter Gent folgen Antwerpen und Gent, wo sich jeweils die größte Anzahl der betreffenden Kandidaten zur Wahl stellte. Große Ausnahme ist hier Brügge. Hier bekam kein einziger Kandidat mit ausländischen Wurzeln ausreichend Stimmen, um in den neuen Stadtrat einziehen zu können. 

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