16-Jährige dürfen in Belgien weiter Wein und Bier trinken

Bundesgesundheitsministerin Maggie De Block will Teenagern im Alter von 16 bis 18 Jahren das Trinken von Bier, Wein oder Champagner nicht verbieten. Sie steht damit im Widerspruch zu einer Stellungnahme des Hohen Rates für Gesundheit. Fermentierte Spirituosen wie Martini oder tequilahaltiges Bier hingegen werden für Jugendliche unter 18 Jahren verboten, kündigte die Ministerin an. Sie glaubt, dass ein generelle Alkoholverbot für Jugendliche den perversen Effekt haben wird, dass diese heimlich trinken. Die christdemokratische Regierungspartei CD&V und die DrugLijn (Drogenhotline) kritisieren diese Entscheidung.

Derzeit ist der Verkauf von alkoholischen Getränken an Personen unter 18 Jahren in Belgien grundsätzlich verboten. "Eine Ausnahme ist aber vorgesehen: Bier und Wein, einschließlich Sekt, sind ab 16 Jahren erlaubt", erklärt Gesundheitsministerin Maggie De Block (Open VLD).

In der Praxis werden nun aber Getränke auf Bier- oder Weinbasis, die mit Spirituosen wie Tequila versetzt wurden, für Minderjährige verboten. Mischgetränke auf Bierbasis mit Fruchtgeschmack oder Bier, das mit einem Erfrischungsgetränk gemischt wurde sind ab 16 Jahren wohl erlaubt.

„Im Zweifelsfall ist es Sache des Händlers oder der Bedienung, das Alter des Verbrauchers zu überprüfen", sagt Maggie De Block (Foto). Die Ministerin begründet ihre Entscheidung damit, dass "in anderen Ländern nachgewiesen wurde, dass das völlige Alkoholverbot für Jugendliche im Alter von 16 bis 18 Jahren diese dazu drängt, heimlich zu Hause von ihren Eltern erworbenen Alkohol zu konsumieren. Alkohol wird dann zu einer verbotenen Frucht und noch attraktiver. Wir wollen den Jugendlichen beibringen, mit Vernunft und Mäßigung zu trinken".

Es geht auch darum, ihnen die goldene Regel beizubringen: Niemals nach Alkoholkonsum Auto fahren.

"Eine verpasste Gelegenheit"

Die DrugLijn (die flämische Drogen und Sucht-Hotline) ist mit dieser neuen Maßnahme nicht zufrieden. "Alkoholkonsum erst ab 18 war die Jahre alt, war richtig. Aber für 16- und 17-Jährige werden sofort Ausnahmen vorgesehen. Aus Sicht der Kommunikation ist dies eine verpasste Gelegenheit", sagt Tom Evenepoel, der Koordinator der DrugLijn.

Die DrugLijn unterstützt das Verbot von Alkohol bis zum Alter von 18 Jahren. "Dies hat den Vorteil, dass es ein klares Signal an Jugendliche, Eltern, das Hotel- und Gaststättengewerbe und alle, die mit jungen Menschen in Kontakt stehen, ist. Auch aus wissenschaftlicher Sicht gibt es genügend Argumente für ein totales Alkoholverbot bis 18 Jahre. Es wurde bereits vor Jahren in anderen Ländern eingeführt.“

"De Block geht nicht weit genug"

CD&V, der christdemokratische Koalitionspartner der liberalen Open VLD, ist enttäuscht. "Es ist eine weitere verpasste Gelegenheit", sagte Nathalie Muylle im der VRT-Morgenmagzin "De Ochtend". "Die Altersgrenze für den Alkoholkonsum ist derzeit bereits auf 16 und 18 Jahre festgelegt. Die einzige Änderung ist das Verbot von stark alkoholischen Bieren für 16- und 17-Jährige. Das ist gut, aber es reicht nicht aus.“

Muylle weist darauf hin, dass Alkohol ein soziales Problem ist. CD&V befürwortet einen globalen Ansatz. "Es muss mehr Kontrollen geben. Wir müssen uns mit dem Problem befassen, das durch Nachtläden, Automaten, Autobahnraststätten,entsteht, in denen Alkohol erhältlich ist. Und es gibt auch den Aspekt der psychologischen Hilfe.“

Die CD&V fordert ein totales Alkoholverbot vor dem 18. Lebensjahr. Der Partei geht die Entscheidung von Ministerin De Block in Bezug auf Alkohol und Tabakkonsum nicht weit genug geht.

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