Belgien Zielort für nigerianische Prostitutionsnetzwerke

Das belgische Migrationsamt Myria konzentriert sich in seinem Jahresbericht 2018 auf minderjährige Opfer von Schleppern. Die zunehmende Zahl minderjähriger Transmigranten, die Belgien durchquert, macht das Thema brandaktuell. Der Bericht von Myria ist an diesem Montag in Brüssel vorgestellt worden.

Von den 3.000 minderjährigen Nigerianerinnen und Nigerianern, die laut der Internationalen Organisation für Migration 2016 in Europa  ankamen, ist ein Großteil in Belgien gelandet. Doch nur 20 unbegleitete minderjährige Nigerianer sind in dem Jahr hierzulande signalisiert worden, heißt es im Jahresbericht des belgischen Amts für Migration und Flüchtlinge, Myria. Die Zahlen belegten eindeutig, dass Belgien im Bereich der Opfer-Erkennung von Menschenschmuggel noch große Anstrengungen unternehmen müsse.

Das Migrationsamt Myria geht in diesem Jahr vor allem auf die Problematik nigerianischer Prostitutionsnetzwerke ein und weist in diesem Zusammenhang auf den Fall "Mama Leather" hin, der vergangen Mai vor einem Brüsseler Gericht verhandelt wurde. Dabei trat Myria als Nebenkläger auf. In dem Fall hat es mehr als 30 Opfer gegeben, hauptsächlich Minderjährige, die mit Gewalt zur Prostitution gezwungen wurden. Typisch für nigerianische Netzwerke ist der Einsatz von Voodoo-Ritualen und viel Gewalt. Ferner versucht das Netz, vor allem Minderjährige für seine Zwecke zu missbrauchen.

In seinen Empfehlungen plädiert das Amt für Migration für ein notwendiges Angebot an psychologischer Unterstützung für die Opfer, um die Voodoo-Beschwörungen zu durchbrechen. Nigerianische Opfer, die einst in diesen Netzwerken festgehalten wurden, könnten hierbei helfen. Myria rät auch dazu, Polizeidienste für dieses Problem zu sensibilisieren, so dass sie die angebliche Volljährigkeit dieser jungen Mädchen in Zweifel ziehen und sie beim Jugendamt als unbegleitete Minderjährige ausländischer Herkunft angeben können. Insgesamt hat die Zahl unbegleiteter Minderjähriger, die nach Belgien gekommen sind und beim Jugendamt registriert wurden, zwischen 2016 und 17 zugenommen: von 1.108 im Jahr 2016 auf 1.582 in 2017. Auch Jugendhilfsdienste müssten mehr Informationen und Weiterbildungen erhalten, um Anzeichen von Menschenschmuggel bei Minderjährigen zu erkennen, heißt es. 

Myria erwähnt außerdem den Fall der kleinen Mawda vom Mai diesen Jahres. "Dieser Fall zeige, dass der Kampf gegen Schlepper effizienter sein könnte.“ Wir sind deshalb als Nebenkläger aufgetreten. Wir wollen Antworten auf die vielen noch offenen Fragen in diesem Fall.

Laut Myria sei es wichtig, einen eindeutigen Unterschied zwischen den Schleppern und ihren Opfern zu machen. Gegen die Schlepper muss hart vorgegangen werden, aber nicht gegen die Migranten, die sie bezahlten. Man müsse mehr in die Aufnahme von Opfern von Menschenschmuggel und in ihren Schutz investieren, so dass ihre Aussagen als Waffe gegen die Schlepper eingesetzt werden könnten, heißt es noch. Ferner müsse die Expertise, die Flandern und Brüssel im Kampf gegen Schlepper haben, besser mit Wallonien geteilt werden.

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