Brussels Airport: Warum streiken die Beschäftigten des Gepäckabfertigers Aviapartner?

Seit Donnerstag sorgt ein Streik für Chaos am Brüsseler Flughafen in Zaventem. Viele Fluggäste können deshalb nicht in die Herbstferien fliegen. Viele Reisenden bringen wenig Verständnis für den Streik der Mitarbeiter der Gepäckabfertigungsgesellschaft Aviapartner auf. Aber warum streiken sie eigentlich? Drei Mitarbeiter von Aviapartner erzählen ihre Geschichte anonym an VRT NWS.

"Auf lange Sicht unerträglich"

„Zu Beginn unserer Schicht wissen wir oft nicht, ob und wann eine Mahlzeitpause eingeplant ist“, so der erste streikende Aviapartner-Beschäftigte.

„Außerdem müssen wir regelmäßig länger als die im Dienstplan vorgesehenen 8 Stunden arbeiten. Auf lange Sicht ist das nicht tragbar. Wenn du gut ausgeruht bist, ist das alles machbar. Aber die Überstunden hier sind einfach strukturell. Das ist körperlich und emotional auf Dauer einfach nicht auszuhalten.“

„Manche Kollegen warten schon seit neun Monaten auf eine Regenjacke“

„Pro Flugzeug sind es in der Regel 189 Passagieren mit jeweils 15 Kilo Gepäck, das ent- oder beladen werden muss. Manchmal sind wir nur zu dritt oder zu viert, den ganzen Tag auf den Knien. Und so haben wir 5, 6, 7 Flüge pro Tag. Täglich bewegen wir mehrere Tonnen“, erklärt ein anderer Betroffener.

„Uns reicht es. Uns wird keine anständige Ausrüstung zur Verfügung gestellt. Es gibt Kollegen, die schon seit neun Monate auf eine Regenjacke warten. Das kann man sich doch nicht vorstellen.“

„Nach Feierabend sitze ich nur noch in meinem Sofa, schalte den Fernseher ein und schlafe praktisch sofort ein, so geschafft bin ich. Morgens kann ich wegen der Rückenschmerzen kaum meine Strümpfe anziehen.“

„Zeitdruck ist unmenschlich“

„Wir werfen mit Gepäck, weil wir so unter Zeitdruck stehen, nicht weil wir Unmenschen sind“, bezeugt ein dritter Arbeitnehmer von Aviapartner am Brüsseler Flughafen. „Am Flughafen verstoßen wir nicht gegen die Regeln, weil wir das wollen, sondern weil wir unter riesigem Druck stehen. Die Arbeitsbelastung ist enorm.“

„Es herrscht ein riesiges Unbehagen unter den Kollegen auf dem Rollfeld. Aber auch den Kollegen am Check-in reicht es. Und die Situation bessert sich einfach nicht.“

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