Rückkehr der Kinder belgischer IS-Kämpfer in Syrien ist nicht mehr tabu

Belgiens Bundesinnenminister Jan Jambon (N-VA) erklärte in der VRT-Talkshow ‚De zevende dag‘ (dt.: ‚Der siebte Tag‘) am Sonntag, er könne sich unter Umständen vorstellen, dass junge Kinder belgischer Syrienkämpfer, die momentan mit ihren Müttern in Gefangenenlagern festsitzen, wieder nach Belgien heimkehren könnten.

Es gibt schätzungsweise 150 Kinder von belgisch-syrischen Kämpfern, die mit ihren Müttern und anderen Familienmitgliedern in Gefangenenlagern im Irak und in Syrien festgehalten werden. Drei Viertel von ihnen sind jünger als sechs Jahre alt. Der Gesundheitszustand der Babys und Kleinkinder in den Lagern ist schlecht, so dass einige den Winter nicht überleben könnten.

Innenminister Jan Jambon: "Die Regierung vertritt inzwischen die Position, dass Kinder unter zehn Jahren zurückgenommen werden können, wenn dies auf eine akzeptable Art und Weise möglich ist.“ Auf die Frage, ob dies bedeutet, dass unser Land die Kinder aktiv zurückführen und aus den Lagern entfernen wolle, antwortete Jambon: "Wenn wir genügend Informationen haben. Zum Beispiel in der Türkei, wo wir einen Verbindungsbeamten haben, der dann aktiv werden muss.“

Das eröffnet neue Möglichkeiten für die betroffenen Kinder.

Das belgische Kinderhilfswerk ‚Child Focus‘ hofft nun, dass die belgische Regierung sich "aktiver" an der Heimkehr der betroffenen Kinder beteiligen wird. Heidi De Pauw spricht von "einem neuen proaktiven Wind". Im Moment bevorzugt unser Land nur die so genannte "passive Repatriierung", bei der belgische Botschaften und Konsulate eingesetzt werden können. Bisher wird Belgien aber die Kinder nicht aus den Lagern selbst wegbringen.

Anfang dieses Jahres hat Walter Damen, ein Anwalt für sechs Kinder aus zwei Familien, den belgischen Staat verklagt, um ihn zu zwingen die Kinder aus den Lagern wieder nach Belgien zurückzuholen. Dieser Antrag wurde aber abgelehnt.

Jetzt wartet Damen mit weiteren Gerichtsverfahren, bis klar ist, was die Politiker tun werden: "Ich höre den belgische Innenminister nun sagen, dass er aktiv eingreifen will und den Verbindungsbeamten in der Türkei einschalten wird. Das eröffnet neue Möglichkeiten für die betroffenen Kinder.“

Nadia Sminate, eine flämische N-VA-Parlamentarierin, wies in der Fernsehsendung darauf hin, dass Belgien keine Beamten in das Konfliktgebiet schicken wird. Sie sagte auch, dass sie befürchte, Eltern könnten ihre Kindern begleiten wollen. Das bleibe problematisch.

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