Erster deutscher Spatenstich zum Bau einer unterirdischen Stromtrasse nach Belgien

Am Dienstag haben in Aachen die Bauarbeiten für eine unterirdische Stromtrasse zwischen Deutschland und Belgien auch auf deutschem Gebiet begonnen. Diese ALEGrO genannte Hochspannungsleitung soll dabei helfen, Belgien unabhängiger von Atomstrom zu machen, was angesichts der pannengeplagten Reaktoren in Tihange und Doel und der aktuellen Energiekrise in Zukunft hilfreich werden kann. Die zukünftige Stromverbindung läuft in Belgien vom bestehenden Umspannwerk in Lixhe bei Lüttich bis zur Autobahnraststätte an der E40 in Eynatten (Raeren).

Auf belgischer Seite haben die Arbeiten für das Erdkabel bereits 2017 begonnen. Das Gemeinschaftsprojekt des belgischen Netzbetreibers Elia und des deutschen Unternehmens Amprion soll 450 Mio. € kosten, wie der WDR dazu meldet. Die ab jetzt auch auf deutschem Gebiet im Bau befindliche Stromleitung ist rund 90 km lang und führt von Lixhe bei Visé in der Provinz Lüttich nach Oberzier im Kreis Düren in Nordrhein-Westfahlen.

Die entsprechenden Genehmigungsverfahren in den betroffenen Kommunen konnten abgerundet werden. In Belgien verläuft die hier rund 49 km lange Leitung laut Netzbetreiber Elia vorwiegend entlang von bestehenden Infrastrukturen wie Treidelpfaden, der Autobahn E40 oder auf Infrabel- sprich auf Bahngelände. Sie wird nicht durch Wohngebiete führen, so Elia.

Die Leitung verläuft in Belgien auch durch die deutschsprachigen Gemeinden Raeren, Lontzen und Eupen, sowie durch die wallonischen Kommunen Visé, Oupeye, Herstal, Lüttich, Blegny, Soumangne, Herve, Thimister-Clermont, Welkenraedt, Limbourg und Baelen. Die Stromverbindung soll eine Transportkapazität von 1.000 Megawatt haben, das sind 10 % des durchschnittlichen Stromverbrauchs in Belgien. Bei dieser Erdkabelverbindung kommt die derzeit modernste Technologie zum Einsatz, die in Europa gegenwärtig für den Transport großer Energiemengen über große Entfernungen zur Verfügung steht: die Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ).

Die unterirdische Stromverbindung zwischen den beiden Konverterstationen besteht aus zwei Kabeln, die jeweils einen Durchmesser von 12 cm haben und die auf der gesamten Länge erdverlegt werden, sodass es, so Betreiber Elia, zu keinerlei Auswirkungen auf Landschaft und Wohnraum kommt.

Derzeit muss Strom, der aus Richtung Deutschland nach Belgien eingeführt wird, einen Umweg über die Niederlande oder Frankreich nehmen, was zeitraubend ist und Zusatzkosten verursacht. Durch die zeitweise Abschaltung von sechs der insgesamt sieben belgischen Atommeiler durch Unterhalts- und Reparaturarbeiten wird einem Stromengpass in Belgien auch durch Lieferungen aus Deutschland vorgebeugt, wie die Energieminister beider Länder kürzlich erst vereinbarten. Dieser Strom muss diesen Umweg wohl noch nehmen…

Zwischen Belgien und Deutschland besteht derzeit noch keine direkte Verbindung über Strom- oder Hochspannungsleitungen. Der Bau der so genannten ALEGrO- oder Aachen-Lüttich-Leitung sollte eigentlich bereits 2017 beginnen und zwei Jahre lang dauern. 2020 soll die Leitung in Betrieb genommen werden können. 

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