Killerbande von Brabant - Wurden die Ermittlungen manipuliert?

Seit Februar 2018 liegen die Ermittlungen zu den bisher nie aufgeklärten Morden und Überfällen der sogenannten Killer von Brabant, die in den 1980er Jahren eine blutige Spur durch unser Land zogen, in den Händen der Bundesstaatsanwaltschaft in Brüssel und nicht mehr bei einer Sonderkommission der Polizei. Nach neuen Erkenntnissen in einem ganz bestimmten Vorgang im Rahmen der Ermittlungen bewahrheiten sich Gerüchte, dass es in diesem Fall zu Manipulationen gekommen sein muss. Auch andere Elemente werfen neue Fragen auf.

Jüngsten Erkenntnissen der Bundesstaatsanwaltschaft zufolge, sind Teile der Ermittlungen im Fall der Killerbande von Brabant vermutlich tatsächlich manipuliert worden. Dabei handelt es sich konkret um einen Waffenfund im Kanal Brüssel-Charleroi in  Ronquières im Jahr 1986 (Foto).

Damals wurden dort Waffen entdeckt, die nicht schon 1985 nach dem brutalen Überfall auf ein Warenhaus in Aalst beseitigt wurden, sondern offenbar erst kurz vor der Suchaktion der damaligen Sonderkommission zur Aufklärung der Fälle. Die Waffen könnten erst maximal 7 Tage oder sogar nur wenige Stunden vor der Suche in den Kanal geworfen worden sein, so die aktuellen Erkenntnisse.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Ganz neu sind diese Erkenntnisse nicht, denn schon 2013 äußerte das Nationale Institut für Kriminalistik und Kriminologie diesen Verdacht und auch Bundesjustizminister Koen Geens (CD&V) hatte bereits vor Jahren einen entsprechenden Verdacht der Manipulation geäußert.

Zeugenaufrufe

Die Bundesstaatsanwaltschaft versucht jetzt mit einem erneuten Zeugenaufruf über drei konkrete Fragen Licht ins Dunkel zu bringen. Sie will wissen, ob Zeugen mehr zu den Vorgängen am Kanal in Ronquières sagen können. In diesem Zusammenhang sucht die Staatsanwaltschaft auch nach den Polizeitauchern, die damals im Einsatz waren. Dabei geht es auch um den Auftrag zur Suche nach einem Beutel, der den Tauchern von einer Gruppe Polizisten in einem weißen zivilen Renault 4 erteilt wurde, ein Beutel, der übrigens nie gefunden wurde.

In einer zweiten Frage will die Staatsanwaltschaft herausfinden, ob ein bei einem Überfall auf ein Restaurant genutzter roter VW Golf GTI nach der Tat in schwarz umlackiert wurde und wer diesen Wagen in diesem Falle umgespritzt haben könnte. Der letzte Zeugenaufruf betrifft die Beschreibung eines körperlichen Merkmals bei einem der Bandenmitglieder, der im Nacken einen Mutterfleck oder ein ähnliches Merkmal tragen soll.

(Lesen Sie bitte unter den Fotos weiter)

Neues Vorgehen in den Ermittlungen

Nach Angaben von Eric Van der Sypt, dem Sprecher der Bundesstaatsanwaltschaft in Brüssel, werde der Fall neu aufgerollt und zwar „mit einem nüchternen Blick“ auf die damaligen Ereignisse und Ermittlungen. Man lege den Fokus heute auf „materielle Elemente aus dem Dossier“ und auf die Analyse von z.B. Fingerabdrücken und DNA-Untersuchungen.

Man wolle so lange weiter ermitteln, bis das Gefühl entstehe, „wir haben alles versucht.“ In diesem Zusammenhang teilte die Staatsanwaltschaft auch mit, dass der 2015 verstorbene frühere Polizist Christian Bonkoffsky (Foto) unmöglich der sogenannte „Riese“ der Bande sein könne.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Dies behauptete vor einiger Zeit ein Angehöriger Bonkoffskys, dessen Familie den Ermittlern DNA-Proben und eine Uhr für die Ermittlungen zur Verfügung gestellt hatte. Doch den jüngsten Analysen der Bundesstaatsanwaltschaft zufolge, führe diese Spur nicht weiter. Damit werden die Opfer der Bande bzw. Angehörige von Opfern einmal mehr verunsichert. Hier wurde und wird schon lange vermutet, dass die Ermittlungen zu den Killern von Brabant manipuliert wurden und werden. 

Blutige Spur

Die Killer von Brabant zogen in der Zeit zwischen 1982 und 1985 mit ihren gewalttätigen und mörderischen Überfällen eine blutige Spur durch Belgien. Dabei kamen 28 Menschen ums Leben, Dutzende weitere wurden verletzt und leiden immer noch an den Folgen dieser Verbrechen. Bis heute sind diese Fälle nicht aufgeklärt und so manche Verschwörungstheorie macht nach wie vor die Runde. Daran wird auch die neue Ermittlungsweise der belgischen Staatsanwaltschaft wohl nichts ändern. 

Weitere Nachrichten