Reihenweise Bäume an Flanderns Straßen gefällt

In den kommenden Monaten wird das Straßenverkehrsamt erneut reihenweise Bäume entlang der Autobahnen und Schnellstraßen in Flandern fällen. Bäume und Sträucher werden bis auf ihre Stümpfe gestutzt bzw. abgesägt, so dass die Stümpfe danach wieder zu einem großen Grünstreifen  heranwachsen können. Das Stutzen sei aus Gründen der Verkehrssicherheit notwendig, sagt das Verkehrsamt. Doch die grüne Partei Groen ist damit nicht einverstanden. 

Äste oder ganze Bäume könnten auf die Fahrbahn fallen, wenn wir der Natur keinen Einhalt gebieten. Wir müssen sie aus Gründen der Verkehrssicherheit stutzen, betont das Straßenverkehrsamt. Jeden Winter werden auf diese Weise rund 120 Hektar Wald dem Boden gleich gemacht.

„Sobald mit den Arbeiten begonnen wird, ist das zunächst einmal sehr drastisch“, betont Veva Daniels vom Straßenverkehrsamt. „Die Landschaft wird völlig freigelegt. Doch in acht bis neun Monaten zeigen sich wieder erste Sprossen.“  

Das Straßenverkehrsamt unterstreicht, dass sich die Biodiversität dadurch erhöht. Die Bürger sehen jedoch einfach nur Grünflächen verschwinden.

„Wenn sie alles dem Boden gleich machen, können sie mir nicht weismachen, dass das gut für die Biodiversität sei“, so Elisabeth Meuleman, die für die Grünen im flämischen Parlament sitzt. „Natürlich gehört ein selektives Ausdünnen und das Roden größerer Pflanzen, um kleineren Pflanzen mehr Raum zu verschaffen, zu den Abholzplänen, die aber vorher vom Verkehrsamt entworfen werden müssen.“

"Unsere  Pläne sind durchdacht", reagiert das Straßenverkehrsamt. Auf einer Fläche von 9.000 Hektar würden jährlich nur 1,3 Prozent auf diese Weise gestutzt und das auch noch räumlich gut verteilt, wie das in Löwen der Fall sei - in Streifen von höchstens 200 Metern.

„Es ist Natur, die wir jetzt wegnehmen, aber diese Natur wird nicht durch Asphalt oder Beton ersetzt. Die Natur bleibt bestehen“, verteidigt Veva Daniels vom Straßenverkehrsamt die Forstpläne.

Wenn ein Baum drohe, umzufallen, müsse er selbstverständlich abgeholzt werden. Doch die Verkehrssicherheit sollte nicht als Ausrede benutzt werden, um große Grünflächen von 200 Metern einfach vollständig abzuholzen, so die Abgeornete von Groen.

Groen startet mit einer Petition für eine Forstwirtschaft mit selektiverer Auswahl von Bäumen, die gefällt werden müssen. Das Straßenverkehrsamt seinerseits betont, dass es schon seit Jahren auf diese Weise vorgehe und dass sich lediglich die Wahrnehmung der Menschen verändert habe.

Der Wirbel ist in den letzten Jahren größer geworden. Wir setzen deshalb auf mehr Kommunikation und Information, zum Beispiel indem wir die Leute anschreiben. Wir informieren aber auch über unsere Webseite. Wir haben dort zum Beispiel eine Karte veröffentlicht, auf dem unsere Abholzungspläne transparent zu sehen sind, heißt es beim Straßenverkehrsamt auch noch.

Ob das Amt damit alle Bürger von seinen Plänen überzeugen kann, ist fraglich. Vielleicht wäre ja eine Baumbegutachtung wie sie an Österreichs Straßen durchgeführt wird, eine Lösung. Dort erfolgen groß angelegte Baumkontrollen, das heißt Kontrollen der Standfestigkeit und Bruchsicherheit von Bäumen entlang von Wegen und Straßen.  Damit wird für die Sicherheit der Autofahrer gesorgt und auch dafür, dass die zehntausenden Bäume gesund und damit sicher sind.

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