Milliardenloch in der Kanalisation

Will die Region Flandern wie versprochen ihre kommunalen Abwassersysteme bis 2027 in Ordnung bringen, braucht sie hierfür 2,7 Milliarden Euro an zusätzlichen Mitteln zum bereits vorgesehenen Investitionsbudget. Das geht aus dem jüngsten Bericht des flämischen Umweltamtes hervor.

Bis 2027 muss die Wasserqualität der „künstlichen“ Gewässer wie Kanäle sowie die ökologische Qualität der Flüsse und Bäche in Flandern stark verbessert werden. Das ist in der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie und im Dekret zur Integrierten Wasserpolitik in Flandern vereinbart worden. So sollen mehr Einwohner über zusätzliche Kanalsysteme an
Abwasseraufbereitungsanlagen angeschlossen werden und bestehende Kanalisationen müssen gewartet und rechtzeitig ausgetauscht werden. Das flämische Umweltamt hat berechnet, wie viel das kosten würde.

Auf der Grundlage der aktuellen Einnahmen können die Betreiber von Abwassersystemen 1,5 bis 3,3 Milliarden Euro investieren. Der genannte Betrag ist bereits der Höchstbetrag, deshalb sei kein Geld mehr für den Austausch des Abwassersystems nach 2027 übrig, heißt es beim Umweltamt. Doch selbst damit fehle es an Mitteln für alle notwendigen Investitionen.

Will Flandern seine Kanalisation bis 2027 warten und modernisieren sind weitere 2,7 Milliarden Euro notwendig. Will man auch noch Reserven für den Austausch des Abwassersystems aufbauen, werden gar 3,7 Milliarden zusätzlich zu den geplanten Investitionen notwendig, schätzt das Umweltamt.

Das flämische Umweltamt geht davon aus, dass die Kanalisation im Durchschnitt nach 75 Jahren ersetzt werden muss. Heute sind 60 Prozent der Abwasserkanäle in Flandern 25 Jahre alt oder sogar noch älter. 10 Prozent sind mindestens 50 Jahre alt. Die Studie basiert sich hierfür auf Daten von Betreibern von Abwassersystemen. Der Abwasserverband geht davon aus, dass vor allem der Anteil der älteren Kanalisationen unterschätzt werde.

Die Lösung liege in einem kombinierten Vorgehen: sparsam mit den knappen Ressourcen umgehen, neue Techniken bei der Renovierung anwenden und die nötige Zielsetzung korrekt einschätzen, reagierte die flämische Umweltministerin Joke Schauvliege (CD&V).

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