Die traditionsreiche Eupener „Chocolaterie Jacques“ wird geschlossen

Die ostbelgische Hauptstadt Eupen verliert bald einen weiteren Teil ihrer reichhaltigen Industriegeschichte. Die traditionsreiche Schokoladenfabrik „Chocolaterie Jacques“. Die Direktion der niederländischen Baronie-Gruppe mit Sitz im flämischen Veurne, zu der „Jacques“ derzeit gehört, kündigte vor einigen Tagen im Rahmen einer außerordentlichen Betriebsratssitzung die Schließung des Werks an, die wohl absehbar war. 

Baronie begründet diese Entscheidung mit einem anhaltend schlechten Betriebsergebnis und mit nicht mehr zu rechtfertigenden Verlusten. Offenbar schreibt das Unternehmen bereits seit 2011 nur noch rote Zahlen. Das Werk mit seinem angrenzenden und landesweit bekannten Schokoladenmuseum wird voraussichtlich im Mai 2019 geschlossen. Davon sind rund 60 Arbeite rund Angestellte betroffen. Am 14. November beginnen die Sozialverhandlungen zur Schließung der „Chocolaterie Jacques“ im Rahmen des sogenannten belgischen „Renault-Gesetzes“, das die Abwicklung von kompletten Unternehmen regelt.

Laut Meldungen der ostbelgischen Medien BRF und Grenzecho sind die Beschäftigten des Unternehmens schwer angeschlagen, denn nicht wenige von ihnen arbeiten schon seit 20 oder gar 30 Jahren bei „Jacques“. Die Gewerkschaften kündigten an, alles dafür zu tun, dass den Beschäftigten ein sozial vertretbarer Ausstieg gewährt wird. Ohne das Einverständnis des Personals werde man sich auf nichts einlassen, was im Rahmen des „Renault-Verfahrens“ vereinbart wurde, so eine Gewerkschaftssprecherin gegenüber dem belgischen Rundfunk BRF.

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Laut Baronin sei die Qualität der Produktion im Eupener „Jacques“-Werk nicht mehr so gewesen, wie früher, wodurch man wichtige Kunden verloren habe, zuletzt einen Kunden in England. Doch laut Gewerkschaften habe sich die Traditionsfirma im einem wirtschaftlichen Teufelskreis befunden. Zum einen schrieb das Werk keine guten Zahlen mehr und zum anderen wurde von Baronin-Seite her gerade aus diesem Grunde nicht mehr in die Infrastruktur investiert. Darunter habe die Qualität der Produktion zwangsläufig gelitten. 

Geschichte

Die „Chocolaterie Jacques“ war schon 1896 von dem Konditor Antoine Jacques und einem Partner in der wallonischen Tuchmacherstadt Verviers an der Weser (Provinz Lüttich) gegründet worden. Ab 1923 verlegte man den Hauptsitz des Unternehmens nach Eupen, ebenfalls an der Weser, und zwar in die Nähe des Bahnhofs unweit des Stadtzentrums, wo es Jahrzehnte lang zu bestimmten Tageszeiten angenehm nach Zucker und Schokolade roch...

Doch 1987 zog das Unternehmen in die Eupener Industriezone um, wo 1993 auch ein Schokoladenmuseum eröffnet wurde. Einige Jahre zuvor, genauer 1982, war es zum Zusammenschluss der „Chocolaterie Jaques“ mit dem Kölner Schokoladenhersteller Stollwerck gekommen. Stollwerk selbst ging einige Zeit später an den schweizerischen Süßwarenkonzern Barry Callebaut, der das Unternehmen Jacques 2011 an die Group Baronie aus Rotterdam abgab.

In den letzten Jahren wurde in Eupen nur noch flüssige Schokolade angeliefert und weiter verarbeitet. Ob der Markenname „Jacques“ fortbestehen wird, steht noch nicht fest. Unklar ist auch die Zukunft des Schokoladenmuseums. Das Museum ist heute eines der beliebtesten touristischen Ziele in der Wallonie bzw. in der Provinz Lüttich. Über die Zukunft des Museums will sich auch die Stadt Eupen mit der Baronie-Direktion unterhalten.

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