4. November 1918: Kaiser Wilhelm II. besucht seine Truppen an der Front in Belgien

Was lange Zeit offiziell eher unbekannt war, ist jetzt, 100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs offiziell geworden: Noch am 4. November 1918, also nur wenige Tage vor der Kapitulation Deutschlands und nur 5 Tage vor seinem Abtreten, besuchte Kaiser Wilhelm II. seine Soldaten im Hinterland der Front in Flandern. Der Kaiser begab sich per Sonderzug vom deutschen Hauptquartier in Spa (Foto) aus nach Flandern, wo er mehrere Städte und Ortschaften aufsuchte.

Wilhelm II. verbrachte am 4. November 1918 den ganzen Tag bei seinen Soldaten hinter der Front in Flandern. Er war mit seinem kaiserlichen Sonderzug aus Richtung Spa in den belgischen Ardennen gekommen, wo sich das Hauptquartier der deutschen Armee während des Ersten Weltkriegs befand. Der Zug fuhr von Spa aus nach Aalst. Von dort aus ging es mit einem Auto quer durch die Region.

Die Bewohner der Städte, die Kaiser Wilhelm damals aufsuchte, wurden am Vortag des Besuchs dazu aufgerufen, ihre Häuser und Wohnungen nicht zu verlassen. Vormittags besuchte der Kaiser Sint-Amandsberg bei Gent (Foto unten).

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Danach ging es weiter nach Dendermonde, Lokeren (Foto unten) Overmere, Erpe, Nederbrakel, Zottegem und Sint-Lievenshoutem, Ortschaften in den Provinzen West- und Ostflandern.

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Zufall oder nicht, einige der Ortschaften, die Wilhelm II. an diesem Tag besuchte, wurden seiner Zeit von Flugzeugen der Alliierten aus bombardiert. Bis heute ist allerdings zumindest nach Kenntnisstand von Archiven in Belgien unbekannt, ob die Alliierten sich dessen bewusst waren, dass sich der Kaiser der Deutschen in der Gegend befand.

Unbekannt ist auch, warum der Kaiser gerade zu diesem Zeitpunkt, als bereits feststand, dass er diesen Krieg nicht mehr gewinnen konnte, seine Truppen in Flandern besuchte. Wollte er ihnen ein letztes Mal seine Zuneigung zeigen? Oder wollte er, gegen dessen Absetzung immer mehr Stimmen laut wurden, sich davon überzeugen, dass seine Soldaten noch hinter ihm standen und ihm weiter treu ergeben waren?

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Sehr groß schien sein Vertrauen in die Soldaten nicht mehr gewesen zu sein. In Lokeren zum Beispiel mussten alle deutschen Soldaten, die zum Salut angetreten waren, vorher ihre Waffen abgeben. Ob man damals ein Attentat aus den eigenen Reihen gegen den Kaiser erwartete? Noch am gleichen Abend kehrte Wilhelm II. mit seinem Sonderzug zurück nach Spa (Foto unten), um 5 Tage danach abzutreten.

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